Sozialisation  - Prozess, Definition, Instanzen

Was ist mit Sozialisation gemeint?
Wie wird ein Mensch sozialisiert?
Was ist die Definition von Sozialisation?
Welche Sozialisationsinstanzen gibt es?
Wie sieht der Sozialisationsprozess aus?

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(Klicke auf das Bild um zum Youtubevideo zu gelangen)

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Was ist Sozialisation? Eine Definition

Vereinfacht gesagt beschreibt die Sozialisation den Lernprozess zwischen dem Menschen und der Gesellschaft. Dabei herrscht eine wechselseitige Beziehung. Der Mensch als das Individuum wird durch die Gesellschaft geprägt und prägt diese aber auch gleichzeitig durch sein handeln mit. Der Mensch als Individuum versteht sich in seiner biologischen und psychischen Grundstruktur (also die körperlichen und psychischen Voraussetzungen) und die Gesellschaft versteht sich als soziale und physische Umwelt.

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Die Sozialisation ist also die Anpassung an gesellschaftliche Denk- und Gefühlsmuster durch die Verinnerlichung von sozialen Werten, Normen und Gesellschaftsregeln. Die Sozialisation ist ein lebenslanger Prozess und wird durch verschiedene Sozialisationsträger geprägt. Auf diese Sozialisationsträger wird im Verlauf des Videos noch explizit eingegangen. Von der methodischen Sozialisation wird gesprochen, wenn absichtlich und planmäßig in den Sozialisationsprozess eingegriffen wird, dies ist zum Beispiel bei der Erziehung der Fall.

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Die Sozialisation vollzieht sich wie eben schon erwähnt durch die wechselseitige Interaktion zwischen Individuum und Umwelt. Dadurch entstehen soziale Rollen, Einstellungen und Haltungen des Menschen entwickeln sich und prägen sich aus. Eine Rolle in der Gesellschaft wird gefunden, wodurch die Gesellschaft durch jedes Individuum mitgeprägt wird.

Welchen Einfluss hat die Sozialisation auf den Menschen?

Die Sozialisation hat eine starke Wirkung und einen starken Einfluss auf den einzelnen Menschen. So wirkt sich die Sozialisation auf die Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Menschen, auf das Wissen und Denkschemata, die Motive und Bedürfnisse, die moralische Entwicklung, die Norm- und Wertvorstellungen, die politischen und religiösen Einstellungen, die allgemeinen Stimmungen und Gefühle, die sozialen Verhaltensweisen und die Erziehungsvorstellungen und Muster des einzelnen Menschen aus.

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Der Mensch mit seiner Persönlichkeit ist natürlich individuell, aber er wird maßgeblich davon geprägt, in welcher Umwelt und in welcher Gesellschaft er aufwächst. Es macht einen großen Unterschied ob ein Mensch in Berlin Mitte, in Wanne Eickel, in Los Angeles oder in einem kleinen Afrikanischen Dorf aufwächst. Die Umgebung wird sich auf die Entwicklung des Menschen definitiv auswirken. Wie die Sozialisation, also der Lernprozess genau abläuft wird in vielen verschiedenen Theorien behandelt. Zu vielen Theorien gibt es auch schon Videos auf dem Erzieherkanal. Ich verlinke dir diese in der Infobox. Dazu gehört beispielsweise die Theorie zum Lernen am Modell von Albert Bandura, aber auch die Theorie der kognitiven Entwicklung von Jean Piaget, die Theorie der psychosozialen Entwicklung von Erikson oder die Theorie der Moralentwicklung von Kohlberg.

Instanzen der Sozialisation

Instanzen der Sozialisation, oder auch Sozialisationsträger sind Bereiche der Umwelt, welche sich auf den Sozialisations- und damit auf den Lernprozess des Menschen auswirken. Die Instanzen der Sozialisation ändern sich im Laufe des Lebens. Beispielsweise stellt ein Kindergarten lange Zeit eine Sozialisationsinstanz darf, diese wird durch die Schule abgelöst und später in der Regel durch einen Beruf ersetzt. 

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Die Instanzen der Sozialisation lassen sich in verschiedenen Bereiche aufteilen welche auf einen Menschen einwirken und im wechselseitigen Verhältnis zu ihm stehen. Zu diesen Bereichen gehört beispielsweise die Familie, die Freizeitaktivitäten, die Religion, das politische System, Sportvereine, die Schule / der Kindergarten / der Beruf, die Peergroups, aber auch die Massenmedien, wie Fernsehen, Social Media, Zeitung und Radio.

Ebenfalls sehr wichtig für den Sozialisationsprozess sind sogenannte Gruppenspezifika, diese wirken sich unterschiedlich auf die Sozialisation des Menschen aus. Zum Beispiel hat das Geschlecht immer noch eine starke Bedeutung, in der Regel werden Jungen und Mädchen geschlechterspezifisch sozialisiert, das bedeutet, dass ihnen bestimmte Rollen mit entsprechenden Erwartungen zugewiesen werden. Diese geschlechterspezifische Sozialisation wird vor allem in den letzten Jahren immer weiter hinterfragt. 

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Es ist nicht mehr überall selbstverständlich, dass ein Junge blau und ein Mädchen rosa tragen muss. Ebenfalls von großer Relevanz für die Sozialisation ist die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaftsschicht und dem damit verbundenen sozioökonomischen Status, also dem Bündel von Merkmalen an Lebensumständen.

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Sozialisationsprozess und die Phasen der Sozialisation

Die grundlegende Frage des Sozialisationsprozesses ist, wie viel Einfluss der Mensch auf die eigene Entwicklung hat und wie weit er einfach nur abhängig davon ist, wie stark die Instanzen der Sozialisation auf ihn wirken. Lernt der Mensch passiv dadurch dass seine Umwelt in formt? Oder lernt der Mensch nur durch die aktive Auseinandersetzung mit der sozialen Umwelt? Mögliche Antworten geben die zu Beginn des Videos genannten Theorien. Schauen wir uns die Phasen des Sozialisationsprozesses einmal an:

Primäre Sozialisation

Die Phase der primären Sozialisation findet in der frühen Kindheit statt. In dieser Phase werden die Grundlagen und Fundamente für das Einbringen in die Umwelt gelegt. Es wird die Grundausstattung an Lebens- und Weltwissen vermittelt die der Mensch braucht um in der Umgebung und Umwelt Fuß fassen zu können. Die Primärgruppe dieser Phase ist in der Regel die Familie. Eine positive Bindung und Beziehung zu den Bezugspersonen ist von großer Bedeutung, das Kind sollte ein Urvertrauen verinnerlicht haben.

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Das Kind bekommt schon in dieser Phase eine Rolle zugeschrieben, aus dieser Rolle nimmt das Kind die Welt wahr und erfährt sie. Eine positive Rollenzuschreibung dem Kind gegenüber könnte zum Beispiel das Wunschkind sein. Die Eltern werden das Kind dementsprechend behandeln, dies wirkt sich auf die Sozialisation aus.

Sekundäre Sozialisation

Die Phase der sekundären Sozialisation findet statt, wenn die Grundlagen gelegt wurden. Dann ist es an der Zeit sich der Aufgabe zu stellen, etwas aus dem eigenen Leben zu machen und die Sozialisationsinstanzen der primären Phasen zu verlassen. Der Kindergarten wird besucht, später die Schule, zusätzlich weitere soziale Gruppen, wie beispielsweise Sportvereine. All diese Instanzen tragen zur sekundären Sozialisation bei. Der Einfluss der primären Sozialisation sinkt, der Einfluss der Peergroup und der gleichaltrigen steigt. Der Mensch kommt immer mehr in den Kontakt mit den Massenmedien.

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Tertiäre Sozialisation

In dieser Phase werden vor allem die beruflichen und organisatorischen Einflüsse wirksam. Die Gruppenzugehörigkeiten sozialisieren den Menschen maßgeblich. Neben dem Beruf stellt auch die Familie und der Freundeskreis eine wichtige Sozialisationsinstanz dar.

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Quartäre Sozialisation

Die Quartäre Sozialisation findet im hohen Alter statt. Die Gesellschaft hat spezielle Erwartungen an ältere Menschen und ältere Menschen haben spezielle Erwartungen an die Gesellschaft. Dies prägt den Menschen in der Phase der quartären Sozialisation. Diese Phase findet etwa im Rentenalter und dem Ruhestand statt.

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