Konstruktivismus und Ko- Konstruktivismus

  • Was ist der Konstruktivismus?

  • Wie werden Wirklichkeiten konstruiert?

  • Was ist der subjektive Filter?

  • Welche Folgen auf das Lernen lassen sich aus dem Konstruktivismus ziehen?

  • Was ist der Ko Konstruktivismus?

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Was ist der Konstruktivismus?

Der Konstruktivismus kommt aus der Erkenntnistheorie und befasst sich mit der Frage wie der Mensch zu Erkenntnissen und Wissen kommt. Aus konstruktivistischer Sicht besteht ein Zweifel daran, dass das Wissen des Menschen mit der objektiven Wirklichkeit übereinstimmt. Der Mensch also gar nicht in der Lage ist allumfassend und zu jederzeit die objektive Wirklichkeit wahrzunehmen. Aus diesem Blickwinkel resultieren einige Konsequenzen, welche sich auch auf die Arbeit mit Menschen auswirken. Im Konstruktivismus gilt die Annahme, dass der Mensch seine eigene subjektive Wirklichkeit konstruiert, dies passiert unter anderem durch die aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt.

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Erst dadurch kommt es zu einer Konstruktion der individuellen Wirklichkeit und zu einer subjektiven Bedeutung des Individuums zur Umwelt. Ein besonderer Fokus im Verarbeitungsprozess der individuellen Wirklichkeit und somit auch des Lernens wird auf folgende Punkte ein besonderer Wert gelegt:

 1. Die individuelle Wahrnehmung der subjektiven Wirklichkeit

2. Den individuellen Aufbau der subjektiven Wirklichkeit

3. Die individuelle Deutung und Auslegung der subjektiven Wirklichkeit 

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Ein Beispiel für den Konstruktivismus

Um diese theoretischen Gedanken etwas mit praktischem Leben zu füllen ein Beispiel aus der Praxis. Dieselbe Sache (zum Beispiel der Ablauf eines Stuhlkreises) kann total unterschiedlich bewertet werden. Sagen wir, es nehmen 20 Kinder an dem Stuhlkreis teil, dann ist es möglich, dass es 20 subjektive Wirklichkeiten der Situation des Stuhlkreises gibt. Und keine einzige davon ist falsch. Ein Kind würde sagen, dass der Stuhlkreis toll war, ein anderes Kind fand ihn langweilig , noch ein Kind fand den Stuhlkreis total interessant und für noch ein anderes Kind war er der absolute Horror. Welche Aussage über den Stuhlkreis ist richtig? Ließe sich die Situation des Stuhlkreises überhaupt objektiv beschreiben? Und was würde das für die subjektiven Bedeutungsstrukturen der einzelnen Kinder bedeuten? Ließe sich sagen, dass der Stuhlkreis gut war? Oder schlecht? Wer hat recht? Sollte man sich die Frage überhaupt stellen?

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Alle konstruierten Wirklichkeiten sind real!

Aus konstruktivistischer Sicht sind alle diese konstruierten Wirklichkeiten die Realität, da jedes Individuum aus den ganz eigenen individuellen Gründen die Wahrnehmung der Wirklichkeit so bewertet und erlebt wie es es nun mal tut. Das bedeutet, dass es nicht um ein objektives entdecken der Wirklichkeit geht, sondern viel mehr darum, ein eigenes Bild der Welt mit den eigenen individuellen Sinneswahrnehmungen zu schaffen. Wahr ist, was wahrgenommen wird. Die objektive Wirklichkeit wird nicht geleugnet. Es geht darum, dass das Erleben des Menschen subjektiv ist und abhängig von vielen Faktoren.

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Zu diesen Faktoren zählt die Sozialisation, die bisher gesammelten Erfahrungen im Leben, die eigene Geschichte, die eigene Entwicklung und die physischen (also körperlichen) und psychischen (also seelischen) Möglichkeiten des Menschen. Im Konstruktivismus gibt es also nicht die absolute allgemeingültige Wahrheit. Die Wahrnehmung und die Bewertung dieser sind subjektiv und abhängig von dem Individuum. Es gibt keine objektive Wirklichkeit, beziehungsweise ist der Mensch nicht in der Lage diese wahrzunehmen, da er durch seinen eigenen persönlichen „Filter“ überdeckt wird. Dieser persönliche Filter wird durch bisher gesammelte Erfahrungen, Vorstellungen, Informationen, Werte und Normen und beispielswiese die Sozialisation geformt.

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Was lässt sich aus der Theorie des Konstruktivismus noch ableiten?
Was bedeutet dieser Ansatz für das Lernen?

Da die Sicht auf die Welt und das Wissen eines Menschen durch ihn selbst konstruiert wurde, ist die logische Konsequenz, dass das Lernen bei jedem Menschen individuell und verschieden abläuft. Unter dem Lernen ist nicht nur die Aufnahme von Wissen gemeint, sondern es ist auch das verinnerlichte Weltbild, das Menschenbild und alle anderen aufgenommenen und miteinander verknüpften Informationen gemeint. Über welche Art und Weise erfolgreich gelernt wird, mit welchem Lerntempo erfolgreich gelernt wird und welches Wissen sich wirklich nachhaltig verinnerlicht ist bei jedem Menschen anders, es gibt also nicht die eine Art und Weise wie perfektes Lernen funktioniert.

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Dabei ist es wichtig zu wissen, dass nur auf vorhandenes Wissen aufgebaut werden kann. Dieses wird differenziert und ausgebaut. Neues Wissen baut also auf Vorwissen auf. Dieser Punkt wird auch in Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung genauer erklärt, dazu gibt es schon ein Video auf dem Erzieherkanal, ich verlinke dir das Video. Um Dinge zu Lernen muss eine gewisse Motivation vorhanden sein. Das Lernen funktioniert nämlich eigenverantwortlich und selbstorganisiert. Bei der Lernmotivation unterscheidet man zwischen der intrinsischen und der extrinsischen Motivation, auch zu diesem Thema gibt es schon ein weitere Video.

... und was ist jetzt der Ko- Konstruktivismus?

Wenn du bis hierhin folgen konntest, dann ist es eine Leichtigkeit zu verstehen, was mit dem Ko Konstruktivismus gemeint ist. Bisher sind wir davon ausgegangen, dass der Mensch alleine lernt, und zwar durch die Auseinandersetzung mit der Umwelt und den Reizen, dadurch wird die Weltsicht und das Wissen konstruiert. Tauscht sich der Mensch nun mit anderen Menschen aus (welche ja auch eine konstruierte eigene Wirklichkeit besitzen), kann es dazu kommen, dass aus dieser sozialen Interaktion die Konstruktion der subjektiven Wirklichkeiten erweitert oder verändert wird. Dies kann zum Beispiel in Gruppenarbeiten passieren, aber auch wenn ein Kind gemeinsam mit seinen Eltern etwas entdeckt. Interagieren Menschen gemeinsam und konstruieren so an ihrer Wirklichkeit, spricht man von Ko Konstruktivismus.

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