Die Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung im Kindesalter - ADHS bei Kindern

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  • Wofür steht ADHS?

  • Welche Hauptsymptome gibt es bei ADHS?

  • Wie wird die Aufmerksamkeitsdefizit-und Hyperaktivitätsstörung diagnostiziert?

  • Kann ADHS auch Vorteile haben?

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Was ist eigentlich die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)?

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (kurz ADHS) gehört zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Sie kann mit vielen Beeinträchtigungen einhergehen, beispielsweise auf kognitiver und psychosozialer Ebene. Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (kurz ICD 10) beschreibt ADHS unter dem Diagnoseschlüssel F90, den hyperkinetischen Störungen. Eine wirkliche ADHS Diagnose kann nur von Fachärzten oder PsychologInnen mit ausreichenden Spezialkenntnissen gesichert werden. Wenn ein ernsthafter Verdacht besteht, sollten diese aufgesucht werden. Schauen wie uns jetzt aber mal genauer an, welche Diagnosekriterien es für eine Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätsstörung gibt.

Die drei Hauptsymptome von ADHS

1. Aufmerksamkeitsstörung

Das bedeutet, dass das Kind wirklich schwer einer Aufgabe oder Tätigkeit konzentriert folgen kann. Die Aufmerksamkeitsspanne ist häufig kurz, dann wird die Tätigkeit abgebrochen und eine neue gesucht. Dies wiederholt sich. Dadurch entstehen Flüchtigkeitsfehler. Kindern mit ADHS wird dann häufig fehlende Geduld vorgeworfen, dies ist aber nicht der Fall, die Kinder lassen sich einfach schnell von etwas anderem ablenken. Sie nehmen viele Geräusche, Gerüche, Bewegungen und Klänge war, dabei gelingt es ihnen nur schwer, sich auf eine 

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Sache zu konzentrieren und gerade unwichtige Dinge auszublenden. Dabei ist es wichtig zu erwähnen, dass Kinder mit ADHS nicht gänzlich unfähig sind sich zu konzentrieren, zu teilen funktioniert das sogar sehr intensiv. Tendenziell jedoch nur in einigen Bereichen und für eine kurze Zeit, es herrscht eben ein Defizit. Die Unaufmerksamkeit ist stärker bei Aufgaben ausgeprägt, die ihnen aufgetragen wurden und auf die die Kinder weniger Lust haben, oder bei denen sie den Sinn nicht wirklich verstehen.

2. Hyperaktivität

Damit ist eine Ruhelosigkeit und körperliche Unruhe gemeint. Das Kind ist ständig aktiv und dran sich zu bewegen, scheinbar unerschöpfbar. In Fällen kommt es zu einer starken inneren Unruhe bei stillem sitzen, das fällt besonders im Schulunterricht auf. Kinder mit ADHs denen aufgetragen wurde still zu sitzen müssen sich dazu stark konzentrieren, da die körperliche Unruhe stärker ist. Durch eine Aufmerksamkeitsstörung kann die Konzentration nicht lange gehalten werden und das Kind bewegt sich wieder. Das wird nicht selten als respektlos 

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oder schlecht erzogen gewertet. Tendenziell legt sich die innere Unruhe und der Bewegungsdrang, also die Hyperaktivität mit zunehmenden Alter. Die Hyperaktivität kann total unterschiedlich ausgeprägt sein, zum teil gar nicht, zum teil so stark, dass ein stilles sitzen fast undenkbar ist.

3. Impulsivität

Damit ist gemeint, dass die Kinder dazu neigen, unüberlegt und vorschnell zu handeln, also ohne über die eigentlichen Folgen nachzudenken. Das Kind folgt also ohne weiteres nachdenken dem ersten Impuls, daher wird es als Impulsivität beschrieben.

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Wie müssen die Symptome auftreten, damit es zu einer ADHS Diagnose kommt?

Die Auffälligkeiten in den eben genannten drei Bereichen sind Situationsübergreifend. Also nicht nur vereinzelt in einem kleinen Teilbereich des Alltags, sondern im Gesamten. Noch dazu muss es zu einer länger anhaltenden eingeschränkten Funktionsfähigkeit, Lebensqualität oder Teilhabe im Alltag kommen. Das bedeutet die oben genannten Charakteristika müssen über einen längeren Zeitraum so ausgeprägt sein, dass ein Leidensdruck entsteht, das Kind immer wieder aneckt, Leistungen nicht bringen kann oder ausgeschlossen wird.

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Kommt es in ausschließlich in nur einem kleinen Teilbereich zu massiven Störungen, kann dies an Anzeichen für eine andere Störung oder Problematik sein. Für ADHS spricht dies dann weniger, da sie sich wie schon erwähnt übergreifend auswirken. Ein Kind mit ADHS kann sich nicht zusammenreißen oder ähnliches.

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Prävalenz und Verbreitung von ADHS

Wie weit ADHS verbreitet ist, wurde in einigen Studien untersucht. Dazu gibt es unterschiedliche Ergebnisse. Das liegt zum einen daran, dass bei einigen Studien auch die Verdachtsfälle mitgezählt werden und bei anderen Studien nicht. Es lässt sich grob sagen, dass 300.000 – 500.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland ADHS haben. Im Jahr 2017 hatten 4,4% der Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren die Diagnose. Bei Zusätzlich etwa 4,9% der Kinder und Jugendlichen lag eine Verdachtsdiagnose vor. Jungs sind mit 6,5% etwa 3 mal 

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häufiger betroffen als Mädchen. Bei den Mädchen liegt die Häufigkeit bei 2,3%. Ebenfalls Interessant ist der Blick auf eine ADHS Diagnose zu weiteren Merkmalen. In einer anderen Studie wurde zum Beispiel ein Zusammenhang zwischen der ADHS Diagnose und dem sozioökonomischen Status gefunden. Der Sozioökonomische Status bezeichnet ein Bündel Menschlicher Lebensumstände, dazu zählt beispielsweise das Haushaltseinkommen, also bei Kindern wie viel Geld die Eltern zur Verfügung haben, der Bildungsgrad, also ob die Eltern einen Schulabschluss haben, eine Ausbildung gemacht haben oder studiert haben, der Wohnort, also ob Land oder Stadt, Plattenbau oder Villa, usw. Bei der Studie fiel auf, dass Kinder mit einem hohen sozioökonomischen Status (beispielsweise Eltern mit viel Geld und akademischen Abschluss in gehobener Gegend) am seltensten von ADHS betroffen waren. Kinder mit einem mittleren sozioökonomischen Status waren etwa 1,6 mal häufiger betroffen als die Kinder mit einem hohen Sozioökonomischen Status und Kinder mit einem niedrigen Sozioökonomischen Status waren etwa 2,3 mal häufiger betroffen als Kinder mit einem hohen sozioökonomischen Status. Zusätzlich wurde verglichen wie sich die ADHS Diagnose bei Menschen mit und ohne Migrationshintergrund verteilt. Kinder mit Migrationshintergrund waren nur halb so oft von ADHS betroffen wie Kinder ohne Migrationshintergrund.

Die Diagnose wird häufig im Kindesalter gestellt, die Symptome verstärken sich bis ins Jugendalter und erreichen dort ihren Höhepunkt. Danach flachen sie ab, teilweise verschwinden die Symptome fast komplett. Etwa 1/3 behalten ADHS Symptome bis ins Erwachsenenalter, die Ausprägung und Auffälligkeiten sind aber stark abhängig vom Umfeld in welchem die Person lebt. Auf einer Baustelle fällt ADHS nicht so sehr auf wie bei einer Arbeitsstelle in einem Büro oder einer Bibliothek.

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Wie kann mit einer ADHS Diagnose umgegangen werden?

Wie mit einer Diagnose umgegangen werden kann, also welche Behandlung und Ansätze empfohlen werden findet sich in den S3 Leitlinien. Die S3 Leitlinien stellen systematische Herangehensweisen zu Krankheiten und Störungsbildern dar. Diese wurden von Fachexpert*innen entwickelt. Diese Leitlinien gibt es für sehr viele Krankheiten und Störungsbilder. So auch für ADHS. Ich verlinke die S3 Leitlinien für ADHS ebenfalls in der Videobeschreibung. Zusätzlich noch weitere Infos: Grundsätzlich sollten Informationen herangeholt werden. Zum Beispiel wie du es gerade durch dieses Video tust. Es sollte sich mit dem Thema beschäftigt werden, ein erstes Verständnis geschaffen werden, auch fernab der Vorurteile und Meinungen die über ADHS herrschen. Zusätzlich ist eine fachliche und professionelle Beratung für den Einzelfall sehr hilfreich. Darauf aufbauend kann der weitere Verlauf geplant werden. Beispielsweise ob eine Verhaltenstherapie sinnvoll ist oder sogar eine medikamentöse Therapie. Die medikamentöse Therapie wird häufig verteufelt und verurteilt, kann aber in Einzelfällen tatsächlich sinnvoll sein. Das sollte aber genausten geprüft und kritisch hinterfragt werden, im besten Fall durch mehrere Meinungen von Experten und Expertinnen. Eine medikamentöse Behandlung ist keine Therapieform welche einfach mal eben locker ausprobiert werden sollte.

Gibt es durch ADHS auch Vorteile für einen Menschen?

Die Charakteristika von ADHS werden als Störung bezeichnet und sind häufig negativ behaftet. Dabei muss aber an dieser Stelle noch mal deutlich erwähnt werden, dass Menschen mit ADHS häufig ähnliche Muster zeigen und weitere Eigenschaften aufweisen, welche deutlich positiv genutzt werden können. Dinge nicht ausblenden zu können und alles wahrzunehmen, kann zum Beispiel dazu genutzt werden, auch kleine Veränderungen frühzeitig wahrnehmen zu können. Die Impulsivität kann auch zu hoher Kreativität führen, nicht selten sind 

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Menschen mit einer ADHS Diagnose im kreativen oder künstlerischen Bereich tätig. zusätzlich kann durch die Implusivität ein lebhaftes und interessantes Gespräch entstehen, zumindest wenn sich an Kommunikationsregeln gehalten wird. Durch die Hyperaktivität können hohe körperliche Leistungen abgerufen werden. Wenn andere Menschen schwer erschöpft sind, kann ein Mensch mit ADHS weiter machen, braucht dies teilweise sogar als Auslastung. Kinder und Jugendliche mit ADHS haben es im Schulsystem häufig sehr schwer, können aber in einem angepassten Umfeld wirklich aufblühen und ihre Stärken zeigen. Im Erwachsenenalter bei der Berufswahl kann die passende Umgebung ausgesucht werden.