Symbolischer Interaktionismus
Die Theorie des symbolischen Interaktionismus nach Mead einfach erklärt

  • Was besagt der symbolische Interaktionismus?

  • Was sind die Grundlagen des symbolischen Interaktionismus nach Mead?

  • Was ist mit Symbolen gemeint?

  • Welche Spielformen gibt es? 

  • Wie unterscheidet sich Spielform play von game?

  • Was ist im symbolischen Interaktionismus mit dem I, dem ME und dem SELF gemeint?

  • Wie entwickelt sich laut dem symbolischen Interaktionismus eine Identität und Persönlichkeit?

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Was besagt die Theorie die symbolischen Interaktionismus?

Bei der Theorie des sozialen Interaktionismus handelt es sich um eine Handlungstheorie, welche das individuelle Handeln von Menschen in der eigenen Umwelt untersucht. Der Grundgedanke und das Kernstück des symbolischen Interaktionismus sind die symbolisierenden Interaktionen, was das genau bedeutet schauen wir uns jetzt an. Mead hat es besonders interessiert, wie einzelne Menschen ihre sozialen Handlungen aufeinander abstimmen, eine tragende Rolle spielt dabei die Sprache, genauer genommen die Interaktion.

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Diese hat einen Symbolcharakter, das bedeutet, dass es in Interaktionen und gesagten Wörtern oder Sätzen einen Interpretationsspielraum gibt. Laut Mead sind also die Interaktionen von Menschen für seine Theorie grundlegend. 

Da diese Interaktionen einen Interpretationsspielraum und einen Symbolcharakter haben, wird vom symbolischen Interaktionismus gesprochen. Mead beschrieb, dass der Unterschied zwischen der Interaktion zwischen Tieren und der Interaktion zwischen Menschen darin liegt, dass Tiere einfach auf Reize reagieren und Menschen in der Lage sind Interaktion zu interpretieren und erst dann darauf reagieren. Die Interpretation des Reizes beim Menschen geschieht durch Symbole, also meist durch die Interaktion.

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Eigenleistung und Gestaltungsmöglichkeiten für den Menschen

Dadurch, dass der Mensch in der Lage ist die symbolische Interaktion und das soziale Gefüge um ihn herum zu interpretieren und zu deuten, rückt der Aspekt der Eigenleistung und der Gestaltungsmöglichkeiten des Menschen in den Mittelpunkt. Das heißt, dass Personen die Lebenssituationen in ihrer Bedeutung interpretieren und sich dazu verhalten. Das Wissen über die Bedeutungen wird unter anderem über kulturelle und gesellschaftliche Bedingungen vermittelt und so von vielen Menschen geteilt

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Menschen nutzen die Interaktion und Sprache zum planvollen und kooperativen Handeln, also unter anderem auch zur Organisation, dadurch sind komplexe Vorgänge zwischen Menschen beschreibbar. Dadurch kann die Interaktion und Kommunikation extrem komplex werden, durch die Interpretationsspielräume jeder einzelnen Interaktion kann man schon fast davon ausgehen, dass es eigentlich ein Wunder ist, wenn Menschen miteinander kommunizieren und es dabei zu keinen Missverständnissen kommt

Was ist mit Symbolen gemeint?
Wie kann Kommunikation gelingen?

Wenn Kommunikation gelingen soll und Interaktion symbolisch, also mehrdeutig und interpretativ ist, dann ist es notwendig, dass die kommunizierende Person eine gewisse Fähigkeit aufweisen muss. Das ist die Fähigkeit der Empathie, diese wird teilweise auch mit Fähigkeit zur Rollenübernahme oder mit Fähigkeit zur Perspektivübernahme beschrieben. Für gelingende Kommunikation ohne Missverständnisse ist es notwendig, dass die Person in der Lage ist mit den Augen des Anderen zu sehen, in der Lage zu sein wie die Sprache mit den Symbolen bei der Person gegenüber ankommen könnte.

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Symbolischer Interaktionismus - Die Symbolkraft der Worte

Vor allem im pädagogischen Kontext ist das super wichtig. Kennt beispielsweise eine Erzieherin gar nicht die Symbolkraft ihrer getätigten Worte gegenüber Kindern kann das schlimme Folgen haben. Droht die Erzieherin beispielsweise einem Kind, weil es nicht wie abgesprochen aufgeräumt hat mit den Worten "Wenn es gleich nicht aufgeräumt ist, dann werde ich richtig sauer!", dann sind die Interpretationsspielräume für das Kind sehr groß, je nachdem welche Symbole und Interpretationen das Kind mit den Worten "richtig sauer" verbindet und vielleicht in dem bisherigen Leben schon erlebt hat.

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Das Kind könnte denken, dass die Erzieherin so sauer wird, dass es nicht mehr in den Kindergarten kommen darf, dass die Erzieherin die Eltern anruft, dass die Erzieherin vielleicht sogar Gewalt anwendet und so weiter, es gibt unendlich viele Möglichkeiten der Interpretation. Diese symbolischen Interaktionen werden im Prozess der Sozialisation vom Menschen erlernt.

Kindliche Spielformen (play & game) im symbolischen Interaktionismus

Symbolische Interaktionen werden wie eben schon erwähnt durch den Sozialisationsprozess gelernt. In der Theorie des symbolischen Interaktionismus werden kindliche Spielformen unterschieden nach denen symbolische Interaktionen verinnerlicht werden, dies trägt zur Identitätsentwicklung des Kindes bei und wird auch als soziale Phase bezeichnet. Es wird zwischen Play und Game unterschieden. Die Spielform Play wird auch als nachahmendes Spiel bezeichnet, die Spielform Game als Wettkampf. Wie sich diese Spielformen voneinander unterscheiden schauen wir uns jetzt an.

Das nachahmende Spiel (play)

Bei dem nachahmenden Spiel (in der Theorie Play genannt) spielt das Kind alleine und ahmt Verhaltensweisen nach. Das nachahmende Spiel ist das Rollenspiel des Kindes, das Kind spielt wichtige Bezugspersonen nach und handelt und denkt von ihrem Standpunkt aus. Diese Bezugspersonen bezeichnet Mead auch als signifikant Andere. Ein klassisches Beispiel ist das „Vater-Mutter-Kind“ Spiel bei Kindern. Das Kind ahmt dann beispielsweise den eigenen Vater oder die eigene Mutter nach, das Kind wechselt dabei zwischen der eigenen Rolle und der Rolle der Bezugsperson, es fühlt sich in die eigene und in andere Rollen ein und entwickelt so eine organisierte Struktur. Bei dem nachahmenden Spiel kann das Kind die Regeln selbst erstellen und sie auch je nach Bedarf ändern.

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Der Wettkampf (game)

Bei dem Wettkampf (in der Theorie Game genannt) findet ein geregeltes und organisiertes Gruppenspiel statt. Klassische Beispiele sind Sportwettkampfspiele, zum Beispiel ein Fußball- oder ein Handballspiel. Das Kind muss mehrere Rollen gleichzeitig übernehmen können. Das eigene Verhalten muss an die möglichen Konsequenzen angepasst werden. Das Kind muss also die eigene Rolle erkennen, das eigene Verhalten und den Überblick über das mögliche Verhalten der anderen haben. Die Regeln können nicht einfach so nach Belieben vom Kind geändert werden.

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Play und Game stellen also zwei Phasen zur Entwicklung einer Identität dar. In diesen Phasen erfährt das Kind soziale Kontrolle, sie sind ein wesentlicher Schritt zur Erlangung von Selbstbewusstsein.

Wie entwickelt sich menschliche Subjektivität und damit die Identität?

Der Mensch entwickelt eine Identität und Persönlichkeit die in Bezug zu den Identitäten der anderen steht. Die Grundlage ist also die Interaktion des Menschen mit seiner Umwelt.

Wir haben bisher gelernt, dass es bestimmte Fähigkeiten und Voraussetzungen gibt, die ein Mensch erfüllen muss. Der Mensch muss dazu in der Lage sein die Haltungen anderer Menschen und die Haltungen untereinander mit den eigenen Haltungen in Einklang zu bringen. Die Identitätsentwicklung beim Kind ist abgeschlossen, wenn es die oben genannten Spielformen (Play und Game) erfolgreich verinnerlicht hat und diese Erkenntnisse auf eine größere soziale Gruppe beziehen kann und somit zur eigenen Identität machen kann.

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Das klingt kompliziert, aber vereinfacht gesagt bedeutet das, dass das Kind die eigenen Haltung kennt und diese mit den Haltungen der Menschen in einer großen sozialen Gruppe (zB den Gesellschaftsmitgliedern) abstimmen kann. Die Identität besteht aber nicht nur aus der Übernahme der Haltungen von anderen Personen. Wie sich die Identität laut Mead genau entwickelt wollen wir uns jetzt anschauen:

Komponenten der Identität - ME, I und Self im symbolischen Interaktionismus

Die Persönlichkeit und Identität entwickelt sich laut Mead durch den stetigen Austausch zwischen dem sogenannten Me und dem I, diese Komponenten werden zum Self. Das Self ist also die Persönlichkeit und Identität des Menschen. Grundlage dafür ist wie schon mehrfach erwähnt die Sprache und Interaktion.

Das "I"

Im I kommen die biologisch verankerten Triebe des Menschen zur Geltung. Mead versteht das I auch als die Kreativität und Spontanität des Menschen. Das I wird auch als psychische Komponente des Menschen bezeichnet, hier kommt es zu spontanen und impulsiven Regungen des Menschen. Das I ist somit das subjektive und individuelle im Menschen. Dieses subjektive und individuelle wirkt sich auf das ME aus, dadurch entsteht das menschliche Handeln.

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Das "ME"

Das Me ist der objektive Teil des Menschen. Im Me werden die Haltungen anderer Personen und das Bild wie der Mensch gesehen wird mit eingeschlossen. Im Me kommt es nicht zu den spontanen und impulsiven Regungen des Menschen. Das Me ist die soziale Komponente und wird durch die jeweilige Gesellschaft geprägt. Erwartungshaltungen sind in dem Me mit einbegriffen. Fast jeder Mensch hat mehrere MEs in sich, das liegt daran, dass der Mensch in unterschiedlichen sozialen Kreisen verankert ist und verschiedenen Rollen in sich trägt. Dadurch entstehen unterschiedliche Erwartungshaltungen und Bedürfnisse. Ein Mensch verhält sich zum Beispiel an seiner Arbeitsstelle anders als bei einer ausgelassenen Feier um 3 Uhr morgens und wieder anders als bei einem weihnachtlichen Familienessen. Es werden unterschiedliche Erwartungen und Rollen des Menschen angesprochen, welche sich aber alle auf das Selbstbild des Menschen auswirken. Die Bedingungen des MEs müssen mit dem I abgeglichen werden, damit ein einheitliches Selbstbild des Individuums geschaffen werden kann.

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Das "SELF"

Das SELF entsteht aus der Wechselwirkung zwischen ME und I und entwickelt sich aus Erfahrungs- und Entwicklungsprozessen. Das SELF ist ein Prozess welcher nur im Zusammenspiel der soziale Interaktion mit anderen Menschen entstehen kann. Laut Mead ist das SELF nicht von Geburt an vorhanden, es bildet sich erst aus. Das SELF ist kein festes Konstrukt und entwickelt sich im Prozess fortlaufend weiter, man kann es auch als ein fortlaufende Ausdifferenzierung bezeichnen. Im SELF wird das Selbstbild und das Selbstverständnis des Menschen widergespiegelt.

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