Operante Konditionierung
Das operante konditionieren nach Skinner 

  • Was besagt die Operante Konditionierung?

  • Was ist die sogenannte Skinner Box?

  • Was versteht man unter positive Verstärkung?

  • Was versteht man unter negative Verstärkung?

  • Was versteht man unter positive Bestrafung?

  • Was versteht man unter negative Bestrafung?

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Die Operante Konditionierung wird auch als Lernen am Erfolg bezeichnet und stellt eine Lerntheorie aus der behavioristischen Psychologie dar. Die behavioristische Psychologie beschäftigt sich mit dem menschlichen Verhalten. Skinner war der Ansicht, dass jegliches menschliches Verhalten durch bisher erlebte Verhaltenskonsequenzen beeinflusst wird. Das bedeutet, dass die Grundannahme der operanten Konditionierung lautet, dass ein Verhalten eine Konsequenz auslöst. Je nachdem welche Konsequenz auf das Verhalten folgt, wird die Verhaltensweise beibehalten oder gelöscht. Dieses Prinzip wird auch als Lernen durch Verstärkung bezeichnet. In der behavioristischen Psychologie liegt der Fokus auf beobachtbarem Verhalten des Menschen. Innere Prozesse, also Gefühle, Gedanken, Emotionen, Motivation und weitere Stimmungslagen sind laut Psychologen aus der Behavioristischen Schule nicht wirklich objektiv und wissenschaftlich messbar und vor allem nicht reproduzierbar. Diese werden deshalb in einer sogenannten "Blackbox", dessen Aufbau und Zusammensetzung unbekannt ist, zusammengefasst. Auf diese Blackbox eines jeden Menschen wirken Reize (sogenannte „Stimuli“) ein. Die Blackbox nimmt den jeweiligen Reiz auf und verarbeitet ihn. Auf diesen Reiz auf die Blackbox folgt dann ein Verhalten des Menschen (der sogenannte „response“). Der Verarbeitungsprozess innerhalb der Blackbox ist Psychologen aus der behavioristischen Schule relativ egal. Es ist egal wie der Verarbeitungsprozess innerhalb der Blackbox genau aussieht, interessant ist der Reiz als Stimuli und das gezeigte Verhalten als response.

Die Skinner Box - Das Experiment

Um die Theorie und die Begrifflichkeiten des operanten Konditionierens besser verstehen zu können, wird im Folgenden ein Experiment von Skinner dargestellt. Die sogenannte Skinner Box. Stellen wir uns eine Box mit einem süßen Hasen vor (eigentlich war es in Wirklichkeit eine Ratte, aber Hasen finde ich einfach cooler! Wenn du das Experiment mal irgendwo wiedergeben musst, dann tausch die süßen Hasen also bitte gegen Ratten aus). In diesem Käfig gibt es eine Signallampe. Diese Lampe kann an- und ausgeschaltet werden. Zusätzlich gibt es in diesem Käfig einen Futterkrug welcher von außen befüllt werden kann, zusätzlich einen Hebel. Es gibt drei verschiedene süße Hasen welche jeweils einzeln in den Käfig gesetzt wird. Der Hebel hat bei jedem süßen Hasen einen anderen Effekt. Skinner untersuchte die Reaktion und das Verhalten der einzelnen süßen Hasen auf die jeweiligen Effekte des Hebels.

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Süßer Hase 1
hat eine schmackhafte Möhre bekommen beim betätigen des Hebels.

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Süßer Hase 2
konnte mit dem Hebel Strom abstellen welcher durch den Boden des Käfigs floß und dem süßen Hasen 2 bei nicht Betätigung des Hebels andauernd unter Strom setzte.

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Süßer Hase 3
bewirkte das Gegenteil, sobald der Hebel von ihm betätigt wurde, floß Strom durch den Käfigboden und setzte ihn unter Strom.

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Was haben die süßen Hasen gelernt?🐰

Den süßen Hasen wurde viel Zeit gegeben und nach einigen Versuchen zeigte sich ein Muster. Süßer Hase 1 und 2 betätigten den Hebel immer öfter, sie haben gelernt, dass eigene Verhalten mit einer positiven Konsequenz zu verknüpfen. Dieser Effekt wurde von Skinner „Lernen am Erfolg“ und „Lernen durch Verstärkung“ bezeichnet. Süßer Hase 3 hat nach einigen Versuchen den Hebel nicht mehr betätigt, das Verhalten wurde ebenfalls mit einer Konsequenz verknüpft, jedoch mit einer negativen Konsequenz in Form des Stromschlags durch den Käfigboden.

Wie dir vielleicht aufgefallen ist, hat die Signallampe in der Skinnerbox bisher noch keine Verwendung gefunden. Skinner hat diese Versuchsreihe weitergeführt und geschaut, ob es möglich ist, weitere Zusätze in das Erlernen von Verhaltensweisen einzubauen. So hat süßer Hase 1 beispielsweise nur Futter in den Krug bekommen, wenn die Signallampe geleuchtet hat und er zusätzlich den Hebel gedrückt hat. Nur den Hebel drücken hat zu keinem Erfolg geführt. Tatsächlich hat der süße Hase gelernt, dass das Drücken des Hebels nur zum Erfolg führt, wenn gleichzeitig die Signallampe leuchtet. Laut Skinner und seine Box lässt sich gezeigtes Verhalten also vollständig durch äußere Erfahrungen (also den Stimuli aus der Umwelt) erklären. Skinner ging davon aus, dass der Mensch ein lernendes Individuum sei, Verhaltensweisen also bewusst eingesetzt oder vermieden werden können, je nachdem ob die Konsequenz für das Individuum angenehm oder unangenehm ist.

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Ein Beispiel:

Eine Klasse schreibt eine Klausur. Der Lehrer gibt den Schülern Literatur und Buchtipps. Ein Schüler entscheidet sich zuhause dafür, noch mehr als die vorgegebenen Bücher zu lesen um bestmöglich auf die Prüfung vorbereitet zu sein. Die Klausur des Schülers wird mit der Bestnote bewertet. Zwei Szenarien:

Szenario 1:
Der Lehrer lobt den Schüler, auch vor der ganzen Klasse, seine Mitschüler sind außerordentlich nett und bewundern den Schüler für seine Leistung. Die Konsequenz war positiv und angenehm für den Schüler, die Verhaltensweise wird beibehalten.

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Szenario 2:
Der Lehrer lobt den Schüler, auch vor der ganzen Klasse, seine Mitschüler sind außerordentlich missgünstig. Später auf dem Schulhof wird der Schüler als Streber beschimpft und gemobbt. Der Schüler verwirft die Verhaltensweise zukünftig.

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Zurück zu der Skinnerbox und dem Experiment. Die operante Konditionierung funktioniert über die sogenannte Verstärkung und Bestrafung. Die positive Verstärkung, die negative Verstärkung, die positive Bestrafung und die negative Bestrafung.
Die Begriffe positiv und negativ können verwirrend sein, zumindest haben sie mich in meiner Studienzeit verwirrt und ich habe schon öfter Nachfragen zu diesem Thema bekommen. Daher eine kleine Hilfe und Information: „Positiv“ lässt sich nicht mit „gut“ übersetzen und „negativ“ nicht mit „schlecht“. Wie soll auch eine Bestrafung positiv sein? Dann wäre es ja keine Bestrafung mehr, sondern eine Belohnung.


Der Begriff positiv kann auch so verstanden werden,
dass etwas gegeben wird oder vorhanden ist.


Der Begriff negativ kann so verstanden werden,
dass etwas genommen wird oder abwesend ist.



Schauen wir uns die Begrifflichkeiten aber im Detail mal genauer an. Dieses Schema wird auch als Kontingenzschema bezeichnet. 

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Operantes Konditionieren - Die positive Verstärkung

Die positive Verstärkung wirkt als Belohnung. Für ein gezeigtes Verhalten wird eine Belohnung gegeben. Im Fall der Skinner Box erhält der süße Hase nach der Betätigung des Hebels etwas zu essen. Durch die positive Verstärkung wird ein Verhalten verstärkt, da es eine angenehme Konsequenz hat. Mit etwas geben ist nicht immer etwas materielles gemeint. Mit der positiven Verstärkung ist beispielsweise auch Lob, Anerkennung und Zuwendung gemeint. Aber auch das Gehalt welches vom Arbeitgeber für verrichtete Arbeit gezahlt wird.

Operantes Konditionieren - Die negative Verstärkung

Mit der negativen Verstärkung ist gemeint, dass eine unangenehme Konsequenz ausbleibt. Fälschlicherweise wird die negative Verstärkung häufig mit einer Bestrafung gleichgesetzt, das ist aber nicht der Fall und ist falsch. Das wird anschaulich wenn man sich die negative Verstärkung und die Skinnerbox anschaut. Drückt der süße Hase den Hebel entfällt der vom Boden ausgehende Strom. Der Strom wird also genommen, der Hase erhält keinen Stromschlag mehr, als Konsequenz auf das drücken des Hebels. Das ist ja alles andere als eine Bestrafung. Es wird also eine Verhaltensweise angewendet um unangenehme Konsequenzen zu meiden.

Die positive und negative Verstärkung sorgen also dafür, dass eine Verhaltensweise häufiger angewendet wird.

Operantes Konditionieren - Die positive Bestrafung

Bei einer positiven Bestrafung folgt eine unangenehme Konsequenz auf das gezeigte Verhalten. Bei dem süßen Hasen aus der Skinnerbox hat das drücken des Hebels dazu geführt, dass Strom durch den Boden floß und der Hase so einen Stromschlag erhalten hat. Der süße Hase hat die Verhaltensweise des Hebeldrückens logischerweise abgelegt. Beispiele für positive Bestrafung wäre z.B ein Strafzettel oder Hausarrest. Die positive Bestrafung ist also wirklich die klassiche Form der Bestrafung die einem häufig zuerst in den Kopf kommt.

Operantes Konditionieren - Die negative Bestrafung

Wie wir anfangs gelernt haben, bedeutet negativ auf diese Theorie bezogen, dass etwas abwesend ist oder genommen wird. Im Fall der negativen Bestrafung wird auf eine Verhaltensweise also eine für das Individuum angenehme Gegebenheit genommen. Skinner hat diesen Versuch nicht in der Skinner Box getestet, aber die negative Bestrafung konnte in weiteren Experimenten nachgewiesen werden. Bleiben wir zur Einfachheit aber bei der Skinner Box. In dem Fall müssten wir uns vorstellen, dass die Ratte viel Essen vor sich liegen hat und auch Hungrig ist. Die Ratte isst, aber sobald sie den Hebel drückt, wird ihr das Essen weggenommen. Sie wird es also zukünftig lassen den Hebel zu drücken. Die Verhaltensweise wird unterdrückt. In der Praxis wäre ein Beispiel für die negative Bestrafung zum Beispiel das Ignorieren aufgrund einer Verhaltensweise oder der Entzug von Nahrung. Das Kind ist beispielsweise sehr laut und verstößt gegen Regeln und die Mutter ignoriert das Kind daraufhin einen Tag lang

Die positive und negative Bestrafung sorgen also dafür, dass Verhaltensweisen unterdrückt werden

Es ist wichtig, dass das Individuum die Konsequenz auf die gezeigt Verhaltensweise miteinander verknüpfen kann, logisch, aber auch zeitlich. Bricht ein Kind zum Beispiel eine Regel und dem Vater gefällt das nicht, sollte die Konsequenz mit der Verhaltensweise verknüpfbar sein (also das Kind muss verstehen können, dass die Konsequenz aufgrund der Verhaltensweise auftritt) und es darf nicht zu viel Zeit zwischen Verhalten und Konsequenz liegen. Wenn der Vater das Kind erst eine Woche nach dem Regelbruch bestraft, wird das Kind dies gar nicht verstehen. Je unmittelbarer die Konsequenz folgt, desto eher ist es, dass diese mit dem vorher gezeigten Verhalten in Verbindung gebracht wird.

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