Das Modelllernen - Theorie vom Lernen am Modell nach Albert Bandura

Was sind die Grundlagen des Lernen am Modells?
Was besagt die Theorie des Modelllernens?
Was ist die Aneignungsphase?
Was ist die Ausführungsphase?
Welche Prozesse beinhaltet die Theorie vom Lernen am Modell?
Was ist der Modellierende Lerneffekt?
Was ist der Enthemmender Lerneffekt?
Was ist der Hemmender Lerneffekt?
Was ist der Auslösender Lerneffekt?

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Was ist das Lernen am Modell (Modelllernen)?

Das Lernen am Modell stellt eine von Albert Bandura entwickelte sozial kognitive Lerntheorie dar. Das hört sich zu erst einmal wirklich kompliziert und schwer verständlich an. Die Theorie stellt dar, wie sich ein Mensch Dinge aneignet und sie lernt. Die Grundformen dieser Lerntheorie, also der Theorie des Lernen am Modells sind aber gar nicht so kompliziert. Ich wette, dass du nach diesem Video die Grundzüge dieser sozial kognitiven Lerntheorie verstehen wirst. Du kannst dir die Theorie des Lernen am Modells zu Beginn so vorstellen, wie ein Lernen durch ein abgucken und beobachten. 

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Durch Zuschauen und Zuhören sammelt ein Mensch Informationen und Details von einem Modell. Das Modell an dem sich der Mensch orientiert kann eine reale gegenüberstehende Person sein, aber auch eine Person aus einem Film, einer Serie oder einem Buch. Vorbilder zählen ebenso zu solchen Modellen.

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Der modellierende Effekt (Erlernen neuen Verhaltens)

Ein Kind sieht beispielsweise, wie sein Serienheld schwierige Situationen meistert und eine Menge Anerkennung dafür erfährt. Diese Verhaltensweise schaut sich das Kind möglicherweise ab. Das Beobachtete kann in anderen Situationen abgerufen werden und die Person zeigt identische oder ähnliche Verhaltensweise wie das beobachtete Modell.

Wichtig um Verhalten zu erlernen:

  • gefühlsmäßige Beziehung zu dem Modell

  • Modell muss wichtig für das Kind sein

  • das Verhalten muss erreichbar und realistisch sein

  • das Kind muss sich das Verhalten zutrauen

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Der Enthemmende Lerneffekt

Fangen wir mit dem enthemmenden Effekt an. Ein Junge, nennen wir ihn Tom, hat gelernt, dass er nicht klauen soll. Dies hat er durch seine Eltern als Modell gelernt, sie klauen auch nicht. Tom wird älter und er ist alleine mit seinen Freunden im Supermarkt unterwegs. Sie kommen mit Heißhunger am Süßigkeitenregal vorbei, haben aber zu wenig Geld dabei. Tom kommt nicht auf die Idee die Süßigkeiten zu klauen. Er sieht jedoch, wie sein Freund Marvin Süßigkeiten klaut und damit durch kommt. Sein Freund Marvin wird nicht erwischt und haut sich den Bauch mit den leckersten Süßigkeiten voll.

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Diese Situation wiederholt sich in den nächsten Tagen und Wochen mehrfach. Tom welcher ursprünglich nie geklaut hätte, schaut sich die Verhaltensweise seines Freundes Marvin ab und klaut ebenfalls Süßigkeiten, da dieser jedes mal damit Erfolg hatte und (abgesehen von einem immer weiter wachsenden Bauchumfang und astronomisch hohen Insulinwerten) einen großen Vorteil hat. Diesen Lerneffekt nennt Bandura die Enthemmung

Der hemmende Lerneffekt

Tom und Marvin gehen nach erfolgreicher Diebestour weiter und treffen auf ihre Rivalen aus der Parallelklasse, welche auch direkt anfangen sie zu provozieren. Tom und Marvin sind sich einig und gehen auf die Rivalen los. Es kommt zu einer wilden Klopperei. Zufällig kommt ein Polizeiauto vorbei, die Polizisten unterbinden die Klopperei und bringen alle Kinder persönlich nach Hause. Für Tom ist es sichtlich unangenehm von der Polizei zu seinen Eltern gebracht zu werden und sich für die Klopperei rechtfertigen zu müssen. Tom lernt aus dieser Situation und zeigt die Verhaltensweise in Zukunft nicht mehr. Die Verhaltensweise hatte für Tom nur Nachteile und ergibt so keinen Sinn für ihn. Bandura spricht vom Hemmenden Effekt.

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Der auslösende Lerneffekt

Ein letzter Lerneffekt stellt laut Bandura der auslösende Effekt dar. Unter diesem Effekt werden Verhaltensweisen gefasst, welche von Personen nur in Gruppen oder durch bestimmte Reize ausgelöst werden. Die Person würde die Verhaltensweise, welche ihm aber schon bekannt ist, nicht alleine zeigen. Bleiben wir bei dem Kind Tom. Dieser ist in der Stadt unterwegs und trifft seine Schulkameradin Lisa. Lisa grüßt Tom und Tom grüßt sie nett zurück. Am nächsten Tag in der Schule ist Tom mit seinen Freunden auf dem Schulhof unterwegs, Lisa kommt vorbei und Toms Freunde ärgern Lisa. Tom schließt sich seinen Freunden an und ärgert mit ihnen Lisa. Tom zeigt diese Verhalten, weil seine Freunde als Auslöser wirken.

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Lernen am Modell - Phasen und Prozesse

Die Theorie des Lernen am Modells nach Bandura gliedert sich in zwei Phasen. Zum einen in die Aneignungsphase und zum anderen in die Ausführungsphase. Diese Phasen gliedern ebenfalls in zwei Bereiche. Pro Phase gibt es zwei Prozesse. In der Aneignungsphase gibt es die sogenannten Aufmerksamkeitsprozesse und zum anderen die Behaltensprozesse. In der Ausführungsphase gibt es zum einen die Reproduktionsprozesse und zum anderen die Verstärkungs- bzw. Motivationsprozesse. Das waren eine Menge Begrifflichkeiten. Schauen wir sie uns im einzelnen genauer an.

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Die Aneignungsphase

Aufmerksamkeitsprozess

In diesem Prozess der Aneigungsphase beobachtet das Kind das Modell ganz genau und schenkt im seine Aufmerksamkeit. Das Kind wählt dabei Verhaltensweisen aus, welche ihn interessieren und für ihn relevant sind, es nimmt also nicht zwingend das Modell in seiner Gesamtheit war, sondern in den für ihn relevanten Verhaltensweisen. Das Modell muss für das Kind bestimmte Charakteristika aufweisen welche es für ihn interessant machen. Ein Modell kann eine reale Person, wie die Eltern, Familienmitglieder, die Erzieherin oder Freunde sein. Aber auch Personen, die das Kind gar nicht aus dem realen Leben kennt oder Personen welche gar nicht existieren. Wie zum Beispiel Personen oder Figuren aus Film und Fernsehen oder aus Büchern und Märchen.

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Die Aneignungsphase

Behaltensprozess

In diesem Prozess der Aneigungsphase speichert das Kind das beobachtete Verhalten in seinem Gedächtnis ab. Manchmal ist es notwendig, dass eine Verhaltensweise häufiger vom Kind bei dem Modell beobachtet und wahrgenommen werden muss. Je nachdem wie eindringlich die Beobachtung der Verhaltensweise wirkt. Wenn das Verhalten im Gedächtnis gespeichert wurde, dann wird es so im Gehirn verknüpft, dass es bei Bedarf schnell abgerufen und möglichst passend eingesetzt werden kann.

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Die Ausführungsphase

Reproduktionsprozess

In diesem ersten Prozess der Ausführungsphase wird das Verhalten welches das Kind bei seinem Modell beobachtet und anschließend im Gedächtnis abgespeichert hat nun in passenden Situationen nachgenahmt. Es kommt also zur konkreten Reprodukution und Ausführung der beobachteten Verhaltensweisen. Die neuen Verhaltensweise müssen mehrfach geübt und erprobt werden.

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Die Ausführungsphase

Verstärkungsprozess / Motivationsprozess

In diesem Prozess der Ausführungsphase merkt das Kind, ob die neue oder geänderte Verhaltensweise den gewünschten Nutzen und Vorteil überhaupt mit sich bringt. Die Ausführung der Verhaltensweise wird nur verinnerlicht und weiter aufrecht erhalten, wenn sie den vorab gestellten Erwartungen gerecht wird. Hat das neue oder geänderte Verhalten für das Kind nur Vorteile? Oder gibt es auch Nachteile welche vorab gar nicht klar waren? Überwiegen dauerhaft die Nachteile wird die Verhaltensweise über Board geworfen. Überwiegen die Vorteile wird die Verhaltensweise beibehalten. Nachteil oder Vorteil kann z.B die Reaktion der Eltern auf die neuen Verhaltensweisen des Kinde sein. Experiemente zu dieser Thematik haben gezeigt, dass Lob hier stärker wirkt als Bestrafung.

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Ein wirklich anschauliches und gutes Beispiel!

Du hast in deiner praktischen Arbeit eine Kollegin, welche fachlich super qualifiziert ist. Du bewunderst sie für ihr Fachwissen, ihre theoretischen Kenntnisse und für den Transfer in die praktische Arbeit. Eines Tages bemerkst du, dass sich diese Kollegin Videos vom Erzieherkanal auf YouTube anschaut, sich mit ihnen beschäftigt, sie kommentiert, liked und sogar den Erzieherkanal abonniert hat. Auf deine Nachfrage bestätigt die Kollegin, dass sie viel Wissen und Impulse durch die YouTubevideos für ihre Arbeit gebrauchen kann. Nach Feierabend denkst du auf dem Heimweg über diese Aussagen 

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deiner Kollegin nach. Als du zuhause angekommen bist, gehst du direkt an deinen PC, öffnest den Erzieherkanal auf Youtube, schaust dir viele Videos an, likest und kommittierst sie und abonnierst den Erzieherkanal. Du schaust regelmäßig die neuen Videos, welche ja wöchentlich Sonntags um 18:00 Uhr erscheinen und bildest dich so immer ein Stück weiter. Besonders gefällt dir das Video zum Thema Lernen am Modell nach Albert Bandura. Nach einigen Wochen kommt es in deiner Einrichtung zu einer kollegialen Fallberatung. Du kannst einer Kollegin mit deinem gelernten Fachwissen über das Modelllernen nach Bandura wirklich weiterhelfen und sie unterstützen. Du erntest von deinen Kolleginnen und der Leitung viel Lob. Die neue Verhaltensweise hat sich für dich bewährt und du behältst sie bei, schaust weiter regelmäßig die Youtubevideos und unterstützt von jetzt an fleißig den Erzieherkanal auf Youtube.

Welchen Nutzen hat das Wissen von der Theorie zum Lernen am Modell?

Zum einen zeigt die Theorie auf, wie wichtig Vorbilder für das Lernen von Verhaltensweisen bei einem Kind sind. Die Erzieher und Erzieherinnen sind immer Vorbilder für die Kinder. Viele Kinder orientieren sich an den Erzieher und Erzieherinnen in ihren Einrichtungen. Die Theorie zeigt also noch einmal, wie wichtig es ist sich dieser Vorbildfunktion bewusst zu sein und noch wichtiger, wie wichtig es ist, dass eigene Verhalten und die eigene Rolle dauerhaft zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen. Das Kind lernt Verhaltensweisen nicht nur durch explizit gesagtes, sondern auch maßgeblich durch implizite Verhaltensweise die die pädagogische 

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Fachkraft durch ihre Rolle als Vorbild und somit als Modell für das Kind nach außen trägt. Durch ein Verständnis dieser sozial kognitiven Lerntheorie kannst du dein praktisches und pädagogisches Handeln bewusster gestalten. Wenn Kinder negative Verhaltensweisen zeigen (beispielsweise bei Konflikten zuschlagen oder Dinge klauen), dann ist es möglich, dass du erkennst, dass sie sich in einer Phase des Modelllernens befinden, in der sie neue Verhaltensweisen austesten, diese für sinnig erachten, weil sie nur die Vorteile sehen, aber sich noch gar nicht aller Konsequenzen und Folgen bewusst sind. Laut der Theorie von Bandura werden Verhaltensweisen von Kindern nur übernommen, wenn diese sinnig und von Vorteil für sie sind. Wenn ein Kind lernt, dass es anderen Kindern Dinge wegnehmen kann ohne dass es eine Konsequenz dafür zu befürchten hat. Dann ist diese Verhaltensweise sinnig und logisch für das Kind. Die Aneignung von Verhaltensweisen, egal ob positiver oder negativer, können durch die pädagogischen Fachkräfte beeinflusst werden.