Die Theorie der kognitiven Entwicklung
nach Jean Piaget

  • Was sind die Grundbegriffe der Theorie der kognitiven Entwicklung?

  • Was bedeutet Adaption?

  • Was bedeutet Äquilibration?

  • Was bedeutet Assimilation?

  • Was bedeutet Akkomodation?

  • Welche Stufen gibt es bei der Theorie der kognitiven Entwicklung?

  • Was besagt die Stufe der 

  • Was ist der kindliche Egozentrismus?

  • Was ist die Objektpermanenz?

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(Noch nicht veröffentlicht, kommt nächsten Sonntag)

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Wie ist die Theorie der kognitiven Entwicklung entstanden?

Die Theorie der kognitiven Entwicklung wurde von Jean Piaget entwickelt. Dieser studierte Kinderpsychologie und Pädagogik an der Universität in Zürich. Piaget interessierte sich vor allem für die kindliche Intelligenz und wie Kinder in Alltagssituationen denken, versuchen Dinge zu verstehen und wie sie an die Lösung von Problemen herangehen. Aus diesen Beobachtungen und Erkenntnissen formulierte Jean Piaget die sogenannte Theorie der kognitiven Entwicklung, diese fasste er in einem Entwicklungsmodell mit einzelnen Stadien zusammen. Piaget stellte dabei fest, dass sich Verhaltensweisen, Denkmuster und Herangehensweisen der Kinder sehr ähnlich sind, diese aber häufig nicht zur konstruktiven Lösung des eigentlichen Problems führen. Piaget schlussfolgerte daraus, dass Kinder in bestimmten Phasen ihres Lebens nicht in der Lage sind eine adäquate Lösung für gewisse Probleme zu erkennen, da den Kindern charakteristische Fehler unterlaufen.

Piagets Theorie kommt aus dem Bereich des Konstruktivismus. Das bedeutet, dass die Wahrnehmung und somit auch das Lernen von dem Individuum aktiv konstruiert wird. Aus Jean Piagets Theorie gehen verschiedene Begriffe und Grundannahmen hervor. Diese sind grundlegend für die entwickelte Theorie und werden im Folgenden dargestellt. Piaget geht davon aus, dass jeder Mensch mit zwei grundlegenden Tendenzen geboren wird:

  • Zum einen die Tendenz zur Adaption 

  • Zum anderen die Tendenz zur Organisation

Tendenz zur Adaption - Die Anpassung an die Umwelt

Mit der Adaption ist die Anpassung an die Umwelt gemeint. Zu diesem Bereich hat Piaget zwei zusammenhängende Prozesse definiert. Diese zusammenhängende Prozesse werden auch als komplementäre Komponenten betitelt. Inhaltlich ist damit folgendes gemeint:

Assimilation

Die Assimilation ist ein Begriff aus der Lernpsychologie und kann auch mit Angleichung übersetzt werden. Darunter versteht man die Verallgemeinerung einer Wahrnehmung und die Zuordnung zu sogenannten Wahrnehmungsschemata. Die Assimilation dient dazu ein inneres Gleichgewicht des Menschen herzustellen. Die Herstellung des Gleichgewichts nennt sich Äquilibration. Die Äquilibration wird später noch genauer erklärt.

Beispiel Assimilation:

Eine Mutter geht mit ihrem Kleinkind spazieren. Ihnen begegnet ein kleiner brauner Hund mit Schlappohren. Das Kind ist neugierig und die Mutter sagt, dass das Tier ein Hund ist. Das Kind merkt sich dies. Es entsteht ein Wahrnehmungsschema. Wenn das Kind jetzt wieder einem kleinen braunen Hund mit Schlappohren sieht, dann weiß es, dass es ein Hund ist. Auch wenn es nicht derselbe Hund ist. In dem Wahrnehmungsschemata des Kindes haben Hunde Schlappohren und sind braun und klein. Aber was passiert, wenn dem Kind nun ein großer schwarzer Hund begegnet? Der Hund passt nicht in das Wahrnehmungsschemata des Kindes. Hier kommt der Begriff der Akkomodation ins Spiel. Diesen Begriff schauen wir uns jetzt an.

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Akkomodation

Die Akkomodation ist ebenfalls ein Begriff aus der Lernpsychologie. Dieser Begriff kann mit Anpassung übersetzt werden. Anpassung, weil das Individuum sein bisheriges verinnerlichtes Wahrnehmungsschemata an die Umwelt anpasst. Neben einer Anpassung kann auch die Neuschaffung eines Schemata vorkommen. Die Akkomodation dient ebenfalls der Herstellung des inneren Gleichgewichts, also der Äquilibration.

Beispiel Akkomodation:

Das Kleinkind begegnet jetzt dem großen schwarzen Hund. Die Mutter sagt dem Kind wieder, dass das Tier ein Hund sei. Das Kind ist zuerst verwirrt, weil es doch gelernt hat, dass ein Hund klein und braun ist und Schlappohren besitzt. Es entsteht ein Ungleichgewicht und Widerspruch im Denkprozess des Kindes. Das Kind muss das bisherige Wahrnehmungsschemata anpassen. Hunde können also klein und braun mit Schlappohren sein, aber auch groß und schwarz. So differenziert sich die Wahrnehmung des Kindes immer weiter aus. Das Kind lernt beispielsweise, dass es verschiedene Rassen gibt, welche aber alle als Hunde bezeichnet werden. Zwischen einem Mops und einem Bernhardiner besteht ein großer unterschied, aber es sind dennoch beides Hunde. Wenn sich das Kind noch weiter mit dem Thema beschäftigt, findet eine immer differenziertere Sicht auf die Thematik statt. Zum Beispiel, dass auch Wölfe und Füchse zu Hunden zählen. So wurde aus dem anfänglichen kleinen braunen Hund mit Schlappohren ein ausdifferenziertes Schemata.

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Piaget beschreibt die Tendenz zur Adaption, also die Assimilation und die Akkomodation, als treibende Kraft und zentrale Voraussetzung für die Entwicklung.

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Tendenz zur Organisation

Mit der Organisation ist die Integration eigener Prozesse in zusammenhängende Systeme gemeint. Der zentrale Begriff im Bereich der Organisation ist die vorhin schon mehrfach angesprochene Äquilibration. Laut Piaget ist jeder Mensch dazu bestrebt durch Adaption einen Gleichgewichtszustand herzustellen. Der Mensch möchte in Harmonie leben, mit sich selbst und mit der Umwelt. Der Mensch versucht ihm widersprüchliche und leistungsintensive kognitive Strukturen zu minimieren um zu immer leistungsfähigeren und stabileren Strukturen zu gelangen. Es soll das Ungleichgewicht zwischen den inneren Prozessen und der Umwelt kommen. Kommt es zu einem Ungleichgewicht, einem inneren Konflikt, dann ist der Mensch bestrebt wieder ein dynamisches Gleichgewicht herzustellen. Die Äquilibration wird von Piaget als treibende Kraft der Entwicklung angesehen, dadurch, dass das Ungleichgewicht aufgehoben wird, kommt es zu Fortschritten und neuen Stadien innerhalb der Entwicklung. Um das zu verdeutlichen, zwei Beispiele. Ein Säugling kommt zur Emotionsregulierung und Nahrungsaufnahme an die Brust der Mutter, dies ernährt ihn, aber das saugen beruhigt den Säugling auch. Später, wenn die Mutter nicht mehr stillt, dann erhält das Kind zur Emotionsregulierung einen Schnuller. Dieser hilft dem Kind, die innere Anspannung und den Konflikt zu bewältigen. Wenn auch dieser Schnuller nicht mehr passend ist, wird etwas neues gesucht.

Stufen und Phasen der Theorie der kognitiven Entwicklung

Jean Piaget forschte an der Intelligenz von Kindern. Dabei nutzte er Intelligenztest und ihm fiel auf, dass sich Fehler beim Lösen von Aufgaben in gewissen Altersbereichen häuften. Piaget leitete daraus ab, dass sich die Struktur des Denkens und der kognitiven Fähigkeiten je nach Alter und Entwicklungsstand bei Kindern ähnelt, sich diese Struktur und Fähigkeiten jedoch mit zunehmenden Alter und Entwicklungsstand verändert, sodass ein Lösen von gewissen Problem möglich wird. Piaget leitete aus seinen Erkenntnissen die Theorie der kognitiven Entwicklung mit seinen 4 Phasen ab. Diese 4 Phasen wollen wir uns jetzt im einzelnen einmal anschauen. Die Altersangaben sind wie bei so ziemlich jeder Theorie nur eine Orientierung und nicht in Stein gemeißelt. Die Entwicklung jedes Kindes läuft individuell ab.

1. Stufe: Die sensomotorische Intelligenz

Von der Geburt bis etwa zum 2 Jahren

Die sensomotorischen Intelligenz entsteht laut Piaget durch das Zusammenspiel zwischen den Wahrnehmungseindrücken und der motorischen Aktivität des Kindes. Zu Beginn dieser ersten Phase verfügt das Baby zunächst nur über angeborenen Reflexe. Anschließend lernt es überwiegend durch Beobachtung und Handeln. Das Kind lernt über Sinneseindrücke, das Gehirn drängt das Kind quasi dazu Eindrücke zu sammeln und die Umwelt zu entdecken.  Zu Beginn durch aktive Wiederholung, das bedeutet, es beobachtet etwas, zum Beispiel bei seinen Eltern und wiederholt dann das beobachtete Verhalten. 

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Später kommt das Experimentieren dazu. So eignet sich das Kind auch unabhängig von anderen Personen etwas an. Es entstehen erste Gewohnheiten und Fähigkeiten bilden sich aus, das Gedächtnis prägt sich aus und es werden fundamentale Strukturen gelegt. Das Kind experimentiert zum Beispiel was mit Gegenständen passiert, wenn es sie berührt, an Ihnen zieht, sie fallen lässt oder umkippt. Das Kind erschließt sich so, welches Verhalten notwendig ist um ein Ziel zu erreichen. Wenn ein möglichst hoher Turm gestapelt werden soll, dann ist es notwendig, die Bauklötze möglichst behutsam, langsam und passgenau aufeinander zu stapeln. So beginn das Kind sich die Umwelt immer weiter zu erschließen, es lernt, dass es für einen Zweck ein passendes Mittel gibt. Man möchte einen hohen Turm bauen, also sind einige Bauklötze notwendig. Das Kind kann nur auf verinnerlichte Dinge zurückgreifen. Das Kind hat einen starken angeborenen Drang, alles in der Umwelt zu entdecken. Es reicht nicht nur Dinge anzusehen. Die Umwelt wird mit möglichst vielen Sinneseindrücken wahrgenommen; anfassen, riechen, schmecken und hören. Daraus resultiert, dass dem Kind Möglichkeiten geboten werden müssen, Dinge selbst auszuprobieren, nachzuahmen und herauszufinden um diesen Verinnerlichungsprozess in Gang zu setzen. Zwischen dem 8 und 12 Monat verinnerlicht das Kleinkind die sogenannte Objektpermanenz. Die Objektpermanenz bezeichnet die Fähigkeit des Kindes, Objekte im Gedächtnis und der Vorstellung zu behalten, auch wenn es sie gerade in dem Moment nicht sieht, fühlt oder hört. Bevor sich die Objektpermanenz ausgebildet hat, war ein Objekt nicht existent, wenn es ihn nicht gesehen hat. Nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“.

Mit aus diesem Grund finden einige Babys und Kleinkinder es so lustig, wenn sich Erwachsene die Hände vors Gesicht halten, plötzlich verschwunden sind und dann wie durch Zauberei wieder auftauchen. In der Regel lernt das Kind in dieser Phase zu laufen. Die Mobilität erweitert sich dadurch extrem, dem Kind stehen noch viel mehr weitere Entdeckungsmöglichkeiten offen. Die Welt mit all den interessanten Dingen steht dem Kind offen! Die Wahrnehmung des Kindes auf die Welt ist egozentrisch, das Kind nimmt die Welt also lediglich aus der eigenen Perspektive und den eigenen Eindrücken war, dem Kind ist es nicht bewusst, dass die eigene Wahrnehmung und das eigene Erleben eines unter vielen Milliarden ist.

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2. Stufe: Die präoperationale Stufe

Von zwei bis sieben Jahre

Das Kind hat in der ersten Phase, also bis zu dem zweiten Lebensjahr viele Erfahrungen sammeln können und einige Gegebenheiten, Abläufe und Dinge verinnerlichen können. Dieser Erfahrungsschatz stellt für das Kind die Realität dar. So wie das Kind die Welt und alles drumherum bisher wahrgenommen hat, so ist sie auch. Das Kind denkt und handelt aus seiner Erfahrung heraus, das bedeutet, dass das Denken weiterhin egozentrisch ist. Das Kind sieht dabei die eigene Sichtweise nicht als eine unter vielen Sichtweisen an, sondern als die Sichtweise schlechthin. Das Kind versteht nicht, dass es auch die Möglichkeit gibt, die Welt anders zu sehen.

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Vor allem zu Beginn dieser Phase ist es dem Kind nahezu unmöglich zu begreifen, dass die Welt nicht für das Kind alleine gemacht wurde. Die Sonne scheint heute, weil es draußen spielen will. Das Wetter war gestern schlecht, weil es am Vortag nicht den Teller leer gegessen hat. Die Tischplatte an der sich das Kind den Kopf gestoßen hat ist böse. Die Mutter und der Vater sind auf der Welt, um sich um das Kind zu kümmern, die Erzieherin im Kindergarten ist auf der Welt, um das Kind zu betreuen, dass diese Personen ein eigenes Leben, fernab von dem Leben des Kindes haben, ist dem Kind nicht wirklich bewusst. Geschweige denn sich in die anderen Personen hineinzuversetzen um die Gedanken- und Gefühlswelt nachzuempfinden. Zu Beginn dieser Phase ist vor allem die Sprachentwicklung ausgeprägt, das Kind lernt, dass die Kommunikation (also zum Beispiel das gesprochene Wort oder Mimiken und Gestiken) Symbole sind und stellvertretend für etwas in der Welt stehen. Die Wahrnehmung des Kindes in dieser Phase ist stark symbolisch geprägt. Das lässt sich beispielsweise an gemalten Bildern erkennen, dabei geht es dem Kind häufig gar nicht darum, realitätsnah zu malen. Das Kind malt unbewusst geprägt von der verinnerlichten symbolischen Bedeutung. So kann die gemalte eigene Familie deutlich größer sein als das gemalte Auto, so viel größer, dass sie in der Realität gar nicht mehr in das Auto passen würde. Wenn die Sonne auf dem gemalten Bild kräftig scheint, dann kriegt sich ein symbolisches lachendes Gesicht und wenn es regnet wird ein trauriges Gesicht in die Wolken gemalt.

In andere Rollen schlüpfen und diese auszuprobieren um die Welt zu entdecken ist in dieser Phase ebenfalls von hoher Relevanz. Die meisten Kinder haben Freude daran sich beispielsweise wie ein Tier zu verhalten, oder wie ein Feuerwehrmann, eine Prinzessin oder wie ein Dinosaurier. Die Welt wird weiter neugierig entdeckt, das Kind möchte am Liebsten alles wissen und stellt viele Fragen. In verschiedenen Untersuchungen wurde festgesellt, dass ein Kind in dieser Phase etwa 500 Fragen am Tag stellt. All diese Erfahrungen und Eindrücke sind für die kognitive Entwicklung des Kindes wie ein Segen.

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3. Stufe: Die konkret operationale Stufe

Von sieben bis elf Jahre

In dieser Entwicklungsstufe beginnen die Kinder logisches Denken in konkreten Situationen anzuwenden. Mit konkreten Situationen sind solche Situationen gemeint, welche sich gerade in diesem Moment vor dem Kind abspielen. Oder Situationen, welche schon so oft durchlebt wurden, dass sie dem Kind ganz klar vor Augen sind. Also Situationen, welche anschaulich und erfahrbar sind. So ist es dem Kind beispielsweise möglich, Gruppierungen und Schemata miteinander zu verbinden und in Relation zu setzen. Verschiedene Aspekte eines Gegenstandes oder Vorgangs können gleichzeitig erfasst und zueinander in Beziehung gesetzt werden.

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Dazu zählt beispielsweise das Konzept der Erhaltung. Um dieses Konzept zu untersuchen wurde ein Experiment durchgeführt. Dazu gab es zwei Behälter. Ein Behälter in Glasform und ein Behälter in Röhrenform. Der Behälter in Röhrenform war vom Umfang etwas schmaler, dafür höher als der Behälter in Glasform. Das Kind versteht nun, dass die Menge der Flüssigkeit gleich bleibt, wenn es vom Glas in die Röhre geschüttet wird. Ein jüngeres Kind würde die Fehlinterpretation ziehen, dass in der Röhre nun mehr Flüssigkeit vorhanden ist, weil der Stand der Flüssigkeit höher ist. Ebenso können Rangfolgen und Rangordnungen gebildet werden. Das Kind kann Reihen aufstellen, einteilen, unterscheiden und oder erweitern. Das Denken des Kindes besitzt in dieser Entwicklungsphase eine Umkehrbarkeit, die so genannte Reversibilität. Das bedeutet, dass die oben genannten Operationen in Gedanken umgekehrt werden können um Veränderungen vorzunehmen oder Alternativen zu finden. Diese neue Erkenntnis und Fähigkeit wird in allen möglichen Bereichen des Lebens angewendet. Das logische denken wird also komplexer. Das abstrakte Denken ist in diesem Entwicklungsabschnitt noch schwierig und wird eher nicht genutzt. Das bedeutet, dass es den Kindern in dieser Entwicklungsphase sehr schwer fällt Kenntnisse und Informationen auf ein Thema zu übertragen welches sie noch gar nicht kennen.

Die Erfassung der Umwelt wird realistischer. Realistischer in dem Sinne, dass Zusammenhänge logischer erklärt werden können (Das Wetter hat nichts damit zu tun, ob ich heute spielen will oder nicht und die Tischplatte an der ich mir den Kopf gestoßen habe, ist auch nicht böse). Das Kind versteht langsam, dass es mit seiner eigenen Wahrnehmung, den eigenen Gedanken und Sichtweisen individuell ist, diese können von anderen abweichen. Dem Kind ist es langsam möglich, sich wirklich in die Lage anderer Personen hineinzuversetzen. Aber auch in diesem Alter kommt es bei der Erfassung der Realität zu einer kognitiven Verzerrung, bzw. die Wahrnehmung der Realität wird verzerrt. Beispielsweise durch Fantasien oder Wunschvorstellungen des Kindes.

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4. Stufe: Die Stufe der formalen Operationen

Ab dem elften Lebensjahr

Mit dieser Phase tritt nach Piaget eine Sinnesumkehrung zwischen dem Wirklichen und dem Möglichen ein. Die Fähigkeit zur Abstraktion entwickelt sich weiter. Das bedeutet, dass das logische Denken und die damit zusammenhängenden Denkoperationen nicht mehr ausschließlich in konkret vorstellbaren Situationen möglich sind. Dem Menschen ist es nun auch möglich, auf einer abstrakten Ebene logisch zu denken. Abstrakte Begriffe wie Liebe, Freundschaft, Gerechtigkeit, Ungerechtigkeit oder Hass werden dem Kind greifbarer, es kann detailliert darüber nachgedacht werden.

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Dadurch ist es dem Menschen möglich, ein tieferes Verständnis der eigenen Identität zu entwickeln. Das Denken kann analytischer ausgeprägt werden, beispielsweise kann der Mensch in dieser Phase das Verhalten anderer Menschen analysieren und versuchen für ihn schlüssige Erklärungen zu finden. Dem Menschen ist es möglich, logische Schlussfolgerungen zu ziehen und daraus beispielsweise Regeln oder Konsequenzen abzuleiten. Diese Form stellt die höchste des logischen Denkens dar. Dem Menschen ist es nun möglich, den Alltag, die Woche, das Leben systematisch zu planen, Prioritäten zu setzen und so fokussierter und zielgerichteter zu handeln und zu Leben. Worauf der Fokus gesetzt wird und welche Ziele verfolgt werden ist natürlich bei jedem Menschen unterschiedlich. Dem Menschen ist es nun auch möglich, über das Denken nachzudenken, eigene Gedanken zu reflektieren und in Beziehung und Relation zu anderen zu setzen. Auch das hypothetische Denken ist möglich. Es kann die inhaltliche Richtigkeit von Aussagen anderer überprüft werden, aber auch ihre logische und argumentative Form.

Die vierte Stufe der Theorie der kognitiven Entwicklung erreicht - und dann?

Ist die vierte Phase der kognitiven Entwicklung durchlaufen, ist die Denkentwicklung abgeschlossen. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Kind bzw. der Jugendliche keine Fortschritte mehr im Bereich der Kognitiven Kompetenzen oder des logischen Denkens machen kann oder es unmöglich ist neue Dinge zu lernen. Jean Piaget Theorie stützt die Idee des lebenslangen Lernens. Es bedeutet viel mehr, dass die Grundlagen geschaffen wurden und die Entwicklung der Denkstrukturen geschaffen wurde. Was der einzelne Mensch daraus macht liegt unter anderem an ihm selbst, welche Chancen er wahrnimmt und wie interessiert, wissbegierig und neugierig er durch das Leben geht.

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Wie bereit er dazu ist, neue Dinge auszuprobieren und sich auf Neues einzulassen. Wichtig ist es zu erwähnen, dass der Mensch allerdings nicht nur alleine für seine kognitive Entwicklung verantwortlich ist. Neben den biologischen Faktoren ist auch das Umfeld und die Umwelt von großer Bedeutung. Wächst ein Kind in einem destruktiven Umfeld auf, beispielsweise in einer Familie mit chaotischen und sehr unsicheren Strukturen, dann wird sich dies negativ auf die kognitive Entwicklung auswirken. So kann es als eine Aufgabe pädagogischer Fachkräfte aber auch der Eltern angesehen werden, eine möglichst positiv anregende Umgebung mit vielen Erfahrungsmöglichkeiten für das Kind zu schaffen. Die Erfahrungsmöglichkeiten sollten zur jeweiligen Entwicklungsstufe passen. Es ist notwendig, dass der Mensch selbst möglichst viele Erfahrungen sammelt. Erfahrungen sind unbedingt notwendig für die kognitive Entwicklung, daher ist es so wichtig, dass Möglichkeiten geschaffen werden in dem das Kind diese Erfahrungen machen kann. Die umfangreiche Stimulierung (beispielsweise durch das Sammeln von Erfahrungen) führt zu schnelleren und nachhaltigen Fortschritten in der Denkentwicklung. Diese Erfahrungen müssen nicht immer groß durchgeplante Angebote zur Förderung sein, es können auch ganz alltägliche Situationen sein in denen sich das Kind ausprobieren kann. Beispielsweise beim Spaziergang, beim Spielen auf dem Spielplatz oder beim Anziehen von Kleidung. Faktoren welche größtenteils unabhängig vom Menschen sind nehmen aber ebenfalls Einfluss auf die Denkentwicklung. So spielt beispielsweise die Gesellschaft in der das Kind lebt eine Bedeutung, aber auch die Kultur und die Familie. Diese Faktoren wirken sich im Idealfall beschleunigend aus, möglicherweise aber auch verlangsamend oder im negativen Fall kommt es zu einem Stillstand in der kognitiven Entwicklung. Die Abfolge der einzelnen Phasen der kognitiven Entwicklung ist nicht veränderbar. Die kognitive Entwicklung entwickelt sich zunehmend differenzierender. Es werden neue Erkenntnisse und Erfahrungen gesammelt, diese angewandt, geprüft und gegebenenfalls angepasst. Dabei ist die Erhaltung des Gleichgewichts des Individuums das höchste Ziel. Das Gleichgewicht zwischen Organismus und Umwelt, definiert als die Balance von Assimiliaton und Akkomodation

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