Gewaltfreie Kommunikation
nach Marshall Rosenberg

  • Was genau ist mit der gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg gemeint? 

  • Welche Grundannahmen liegen der gewaltfreien Kommunikation zugrunde?

  • Welche Vorteile hat die gewaltfreie Kommunikation?

  • Wie kann die gewaltfreie Kommunikation angewendet werden?

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Was genau ist mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg gemeint?

Die Gewaltfreie Kommunikation ist ein von Marshal Rosenberg entwickeltes Handlungskonzept. Sie stellt eine Kommunikationstechnik und Haltung dar, welche zu einem besseren Kommunikationsfluss mit mehr Freude und Vertrauen zwischen Menschen führen soll. Dieses Handlungskonzept zur gewaltfreien Kommunikation lässt sich zur friedlichen Konfliktlösung im Alltag, aber auch im beruflichen und persönlichen Kontext nutzen. Marshal Rosenberg betonte mehrfach explizit, dass es bei der Gewaltfreien Kommunikation nicht 

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ausschließlich um eine bloße Technik geht, welche Dinge mit netteren Worten beschreiben soll, sondern um eine Haltung. Eine Haltung der Bewusstmachung der eigenen Person mit den inneren Einstellungen und Bedürfnissen, sowie die Bereitschaft zur Empathie und offenen Kommunikation anderen Menschen gegenüber. Der Begriff der gewaltfreien Kommunikation wird häufig in Frage gestellt, mit der Begründung, dass er nicht wirklich dass trifft, was Rosenberg mit seinem Handlungskonzept erreichen will. Es gab einige Alternativideen welche das Konzept besser beschreiben sollen, beispielsweise die bewusste, wertschätzende, durchsetzungsstarke oder effektive Kommunikation.

Grundannahmen der Gewaltfreien Kommunikation

 1. Empathie stellt die Grundlage für gelingende Kommunikation dar

 

2. Menschen suchen eine empathische Verbindung zu Mitmenschen. Das bedeutet, dass Menschen das Bedürfnis haben, andere zu verstehen, dafür selbst aber auch verstanden zu werden. Die Gewaltfreie Kommunikation soll dabei helfen, sich ehrlich und klar auszudrücken. Der Fokus liegt dabei auf den Gefühlen und Bedürfnisse, vor allem ist dies in Konflikten einer Lösung dienlich.

3. Jede Form von Gewalt stellt einen tragischen Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses dar 

4. Zusätzlich beinhaltet die Haltung der Gewaltfreien Kommunikation, dass nur der Mensch selbst Verantwortung für seine Gefühle und Bedürfnisse hat. Wenn Jonas intensiv und laut in der Bauecke spielt, dann könnte Julia verärgert sein, weil sie ein Bedürfnis nach Ruhe hat. Die Verärgerung seitens Julia entsteht also aus ihrem unerfüllten Bedürfnis. Jonas Verhalten ist der Auslöser, das Signal, dass Julias Bedürfnis nach ruhe bisher nicht erfüllt wurde. Tina beispielsweise spielt ebenfalls so intensiv in der Bauecke und fühlt sich von Jonas gar nicht gestört, sie freut sich sogar, weil ihr Bedürfnis nach Unterhaltung und Action durch Jonas Lautstärke erfüllt wird. Ob eine Person sich also durch das verhalten einer anderen Person angegriffen fühlt, hängt nicht einzig und allein vom Handeln der anderen Person ab, sondern ebenfalls stark von dem eigenen Bedürfnis der Person.

5. Eine gelingende und gewaltfreie Kommunikation ist an bestimmte Bedingungen geknüpft. Beispielsweise sollten Bedürfnisse als Bitte und nicht als Forderung formuliert werden. An die konkreten Bedingungen zur gelingenden Kommunikation knüpft das Handlungskonzept der gewaltfreien Kommunikation an.

Gewaltfreie vs. Lebensentfremdende Kommunikation 

Kohlberg unterscheidet zwischen der gewaltfreien und der lebensentfremdenden Kommunikation. Es folgen jetzt die 4 konkreten Eigenschaften der lebensentfremdenden Kommunikation und anschließend die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation. Es folgt zu beiden Kommunikationsarten ein Beispiel.

Lebensentfremdende Kommunikation 

Unter der lebensentfremdenden Kommunikation versteht Rosenberg die Formen der Kommunikation welche zu psychischer und physischer Gewalt beitragen können und eine empathische Verbindung und Bedürfnisbefriedigung der Menschen verhindern.

 

Erstens: Verurteilungen dem Kommunikationspartner gegenüber. Dazu gehören Zuschreibungen von Eigenschaften. In der Gewaltfreien Kommunikation wird bewertet, aber nur Handlungen anderer in Bezug auf die eigenen Bedürfnisse und Gefühle.

 

Zweitens: Anstellen von Vergleichen. Damit ist gemeint, dass der Kommunikationspartner mit einer anderen Person verglichen wird, im schlimmsten Fall um ihn auf sein vermeidliches Fehlverhalten hinzuweisen. Rosenberg nennt dies ebenfalls eine Form der Verurteilung.

 

Drittens: Das Leugnen der Verantwortung für eigene Gefühle und Handlungen. Ein Beispielsatz wäre „Wegen dir hab ich immer so schlechte Laune!“.

 

Viertens: Forderungen stellen statt Bitten. Forderungen geben dem Kommunikationspartner das Gefühl, keine andere Wahl zu haben, im schlimmsten Fall seiner Freiheit beraubt zu werden. Durch eine Bitte, gibt man dem Kommunikationspartner die Möglichkeit frei zu entscheiden was er möchte, gleichzeitig nimmt man so Rücksicht auf seine Bedürfnisse.

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Kommen wir nun aber zur konkreten Anwendung des Handlungskonzepts der gewaltfreien Kommunikation. Rosenberg nennt hier 4 einzelne Schritte welche zu einer gewaltfreien Kommunikation beitragen.

Gewaltfreie Kommunikation 

Schritt 1: Die objektive Beobachtung und Beschreibung der Situation

Eine möglichst objektive Beschreibung der Situation ohne diese mit Interpretationen oder Wertungen zu mischen. Dem Kommunikationspartner soll vermittelt werden worum es sich handelt, die Beobachtung muss von der Bewertung getrennt werden. Dabei ist es wichtig, auf verallgemeinernde und wertende Worte zu verzichten, also beispielsweise auf „nie“, „immer“, „schon wieder“, „wie immer“, „keiner“, „alle“ und so weiter.

 

Schritt 2: Die Gefühle

Bei diesem Schritt ist es wichtig, sich bewusst zu machen, welches Gefühl durch die Situation ausgelöst wurde.

 

Schritt 3: Das Bedürfnis hinter dem Gefühl

Welches Bedürfnis steckt hinter dem ausgelösten Gefühl? Rosenberg definiert ein Gefühl als eine Art Indikator dafür, welches Bedürfnis gerade im Menschen vorhanden ist. Ein Bedürfnis kann zum Beispiel die Sicherheit oder das Verständnis sein.

 

Schritt 4: Formulieren einer Bitte

Bei diesem Schritt ist es wichtig, zwischen einer Bitte und einem Wunsch zu unterscheiden. Ein Wunsch bezieht sich meist auf einen ungewissen Zeitpunkt in der Zukunft, mit einer nicht ganz klaren Aussage. „Sei in Zukunft bitte etwas netter!“ wäre ein Wunsch. Eine Bitte ist konkreter und bezieht sich

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Eine Bitte kann zum Beispiel eine klare Handlung meinen („Kannst du mir den Teller geben?“) oder die Bitte um Rückmeldung seitens des Kommunikationspartner. Beispielsweise kann nach den Empfindungen oder Einschätzungen des Kommunikationspartners gefragt werden. („Magst du mir sagen, wie es dir mit der Situation ging?“)

Kommunikationsbeispiel

Menschen fällt es häufig schwer über ihre Gefühle zu reden, vor allem in angespannten Konfliktsituationen, das geht nicht selten soweit, dass Menschen Konflikte ganz scheuen. Über Gefühle zu sprechen ist in der Gewaltfreien Kommunikation auch gar nicht zwingend notwendig. Es kann nämlich über Bedürfnisse gesprochen werden. Beispiel, ein Erzieherin ist enttäuscht und mittlerweile totale sauer weil ihr eine Stundenerhöhung in Aussicht gestellt wurde, diese aber bisher nicht stattgefunden hat. Sie muss der Einrichtungsleitung nicht mitteilen, dass sie enttäuscht und total sauer ist, es reicht wenn sie im Gespräch die Situation objektiv beschreibt (Stundenerhöhung in Aussicht gestellt, heute noch keine Stundenerhöhung) und ihr Bedürfnis äußert. Sie hat das Bedürfnis nach Klärung und Offenheit (Wieso hat die Stundenerhöhung noch nicht stattgefunden? Gibt es vielleicht nachvollziehbare Gründe?), dieses Bedürfnis irritiert sie und sie bittet um Klärung und Rückmeldung der Einrichtungsleitung.

Beispiel für die lebensentfremdende Kommunikation

„Ich bin total sauer! Sie habe mir mehr Stunden versprochen, natürlich ist bis heute nichts passiert. Ich erwarte von Ihnen als kompetente Leitung, dass sie meine Stundenzahl wie versprochen erhöhen!“

Beispiel für die gewaltfreie Kommunikation

„Am 12 Januar wurde in unserem Gespräch eine Stundenerhöhung vereinbart, welche noch nicht umgesetzt wurde. Ich möchte darüber noch einmal mit ihnen sprechen und die Sache klären. Können sie mir dazu weitere Informationen geben?“

Beide Kommunikationsbeispiele gehen aus derselben Situation hervor. Das Konfliktpotenzial ist aber total unterschiedlich.

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Grenzen der Gewaltfreien Kommunikation

Die Anwendung ist abhängig von der Entwicklung und Bereitschaft der Kommunikationspartner. Da es sich nicht nur um eine bloße schnell erlernbare Technik handelt, sondern es eine gewisse Kompetenz an Empathie und realistischem Selbstbewusstsein voraussetzt. Zusätzlich stellt die Gewaltfreie Kommunikation kein überall einsetzbares Wundermittel dar. Vor allem in sehr emotionalen oder gefühlsbesetzten Situationen kann es schwierig sein, bewusst über seine innere Haltung zu werden und diese auch noch angemessen zu kommunizieren, das Handlungskonzept verlangt Übung und einen Verinnerlichungsprozess.