Eingewöhnung in der Kita - Berliner Modell zur Eingewöhnung

und das Münchener Modell zur Eingewöhnung

Wie gelingt Eingewöhnung in der Kita und dem Kindergarten?
Was ist das Berliner Modell zur Eingewöhnung?

Wie läuft das Berliner Modell zur Eingewöhnung ab?
Wie lange dauert die Eingewöhnung in der Kita?
Wann gibt es den ersten Trennungsversuch bei der Eingewöhnung?
Wann ist die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell erfolgreich beendet?
Was ist das Münchener Modell zur Eingewöhnung?
Wie unterscheiden sich Berliner und Münchener Modell zur Eingewöhnung voneinander?

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Was versteht man unter Eingewöhnung?

Unter Eingewöhnung versteht man den Start und vor allem aber den Übergang des Kindes in eine Kindertageseinrichtung. Das bedeutet, dass das Kind nicht einfach in der Einrichtung abgegeben werden sollte. Die Eingewöhnung verfolgt also das Ziel dem Kind einen guten Übergang in die Kindertagesbetreuung zu ermöglichen, das wird vor allem durch eine gute Beziehung zwischen Kind und pädagogischer Fachkraft ermöglicht.

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Um eine wirklich gute Eingewöhnung zu ermöglichen ist es notwendig, dass sich die Einrichtung und auch die primäre Bindungsperson (also in der Regel ein Elternteil) Zeit nimmt und unterstützend wirkt. Die primäre Bindungsperson sollte das Kind mehrtägig in die Betreuungseinrichtung begleiten, wie das im Berliner Eingewöhnungsmodell konkret aussieht wird später noch bei den einzelnen Phasen erläuter. 

Die Wissenschaft und Forschung ist sich einig und sicher, dass eine Eingewöhnung unabdingbar für das Kind ist. Ein Forschungsprojekt zur Eingewöhnung kam zu dem Ergebnis, dass Kinder ohne Eingewöhnung bis zu vier mal häufiger krank waren, häufiger ängstliches Verhalten zeigten und die vielfältigen Angebote einer Einrichtung gar nicht erst nutzten. Weitere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass sich die abrupte Trennung ohne Eingewöhnung nachhaltig negativ auf Bindungsbeziehungen der Kinder auswirkt, vor allem wenn die Kinder jünger als 3 Jahre sind.

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Was versteht man unter einem Eingewöhnungsmodell?

Was ist das Besondere am Berliner Eingewöhnungsmodell?

Um diesen oben beschriebenen Übergang nicht dem Zufall zu überlassen wurden Modelle und Konzepte entwickelt. Das bekannteste Eingewöhnungsmodell für den Elementarbereich ist das Berliner Eingewöhnungsmodell. Das Berliner Eingewöhnungsmodell wurde vom Institut für angewandte Sozialforschung / frühe Kindheit, kurz INFANS, entwickelt. 

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Das Besondere bei dem Eingewöhnungsmodell ist es, dass es einen Ablaufplan gibt und das Modell auf dem theoretischen Konzept der Bindungstheorie nach John Bowlby fußt. Auch wenn es einen Ablaufplan gibt, ist es dennoch wichtig zu erwähnen, dass die Eingewöhnungszeit individuell auf das Kind angepasst werden sollte. Der Ablauf der Eingewöhnungszeit ist von verschiedenen Faktoren abhängig.

Was ist vorab wichtig zu wissen?

Wie sieht das Berliner Eingewöhnungsmodell konkret aus?

Es ist sinnvoll im Vorfeld einige Dinge zu klären um die Eingewöhnung gut vorzubereiten. Es ist wichtig, dass die Eltern des Kindes unterstützend mitwirken. Vor allem sollte die Einrichtung im Vorfeld an die eigentliche Eingewöhnungszeit den Eltern den Ablauf dieser kommunizieren, darstellen und vor allem die Wichtigkeit unterstreichen. Insgesamt sollten Eltern ganz grob davon ausgehen, dass sie etwa 2 bis 4 Wochen in die Eingewöhnung intensiver mit eingebunden werden.

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In der Zeit ist es wichtig, dass keine weiteren großen Stressoren auf das Kind wirken, beispielsweise ein Umzug, aber auch ein längerer Urlaub würde der Eingewöhnung schaden, da es zu einer Unterbrechung im Beziehungsaufbau zwischen Kind und pädagogischer Fachkraft kommt. Es ist möglich, dass dann die Eingewöhnung von vorne beginnen muss oder sie einfach negativ verläuft. Es kann auch hilfreich sein, wenn die pädagogische Fachkraft im Vorfeld Informationen über das Kind erhält, beispielsweise über das Lieblingsspielzeug oder Kuscheltier oder andere Dinge mit denen das Kind etwas positives verknüpft.

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Die Phasen des Berliner Modells zur Eingewöhnung

Die einzelnen Phasen werden gleich zeitlich mit Tagen beschrieben. Als Anmerkung; die Tage sind die Tage der Eingewöhnungsphase. Ab dem 5. Tag beginnt die Stabilisierungsphase und damit das Ende der Eingewöhnung, das bedeutet aber nicht, dass die Eingewöhnung zeitlich nach einer Woche vorbei ist. Tag 5 bedeutet dann, dass es der fünfte Tag der Eingewöhnung ist. Das Kind muss in der Eingewöhnungszeit nicht jeden Tag in die Einrichtung, sollte aber mindestens 3 Tage der Woche anwesend sein.

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Die Grundphase

Diese Phase dauert etwa 3 Tage. In dieser Phase kommt das Kind zum ersten mal so richtig in die Einrichtung. Die primäre Bindungsperson, also in der Regel ein Elternteil, begleitet dabei das Kind. Der zeitliche Rahmen des Aufenthalt in der Einrichtung in dieser Phase sollte etwa zwischen 1 und 2 Stunden liegen. Die Rolle der Bindungsperson des Kindes ist in dieser Phase der sichere Hafen, das bedeutet, sie sollte sich möglichst passiv verhalten, bei Bindungs- und Pflegeverhalten dem Kind aber sofort Sicherheit und Schutz bieten.

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Dadurch lernt und verinnerlicht das Kind ganz langsam, dass die Einrichtung kein gefährlicher Ort ist und auch von den pädagogischen Fachkräften keine Gefahr ausgeht. Die Fachkraft versucht erste Kontakte zu dem Kind aufzunehmen und bietet Spielangebote. Es ist wichtig, dass in dieser Phase keine Trennungsversuche stattfinden. Vor allem ist es auch wichtig, dass der Personalschlüssel der Einrichtung ausreichend ist, sodass die pädagogische Fachkraft entsprechend Zeit und Kapazität für die Eingewöhnung zur Verfügung hat.

Der erste Trennungsversuch

Am vierten Tag erfolgt der erste Trennungsversuch. Es sollte wirklich erstmal nur als ein Versuch angesehen werden. Dabei verabschiedet sich die primäre Bindungsperson von dem Kind und verschwindet aus dem Blickfeld des Kindes. Wichtig ist, dass die Bindungsperson, also das Elternteil, in Reichweite bleibt. Kinder reagieren auf den ersten Trennungsversuch sehr unterschiedlich. 

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Lässt sich das Kind schnell beruhigen, dann sollte die erste Trennungsphase ca. 30 Minuten dauern, dann sollte das Elternteil zurück zu Kind kehren. Beruhigt sich das Kind gar nicht und ist kaum zu bändigen, dann sollte der Trennungsversuch abgebrochen werden, maximal nach 3 Minuten.

Die Stabilisierungsphase

Diese Phase beginnt am fünften Tag der Eingewöhnung, ist der fünfte Tag der Eingewöhnung ein Montag, dann sollte diese Phase am sechsten Tag der Eingewöhnung beginnen. Die primäre Bindungsperson wird immer passiver, die pädagogische Fachkraft immer aktiver, sie kann in dieser Phase auch schon die Versorgung des Kindes, beispielsweise das Wickeln oder Füttern. 

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Die beschriebenen Trennungsversuche aus der vorherigen Phase werden zeitlich verlängert, solange es das Kind im Rahmen zulässt. Sind die Trennungen nicht möglich, sollten erst in der darauffolgenden Woche weitere Trennungsversuche mit verlängerten Zeiten unternommen werden.

Wann ist die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell gut verlaufen?

Die Eingewöhnung ist gut und stabil verlaufen, wenn sich das Kind in den Trennungsphasen von der pädagogischen Fachkraft trösten und beruhigend lässt und anschließend aktiv und neugierig beginnt die Umwelt und Einrichtung zu erkunden, es beispielsweise Interesse an Spielsachen und anderen Menschen zeigt. 

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Wenn dieser Punkt erreicht ist, kann das Kind mehrere Stunden in der Einrichtung verbringen, die primäre Bindungsperson muss nicht anwesend sein und auch die Anwesenheit der Bezugsfachkraft ist nicht mehr dauerhaft und zwingend notwendig, das Kind kennt den sicheren Hafen, weiß, dass es bei Problemen zur Bezugsfachkraft kommen kann und im Notfall auch die primäre Bindungsperson kommt. Dennoch sollten vor allem in der ersten Zeit nach der Eingewöhnung die Eltern bei Notfällen erreichbar sein.

Das Münchener Modell zur Eingewöhnung

Eine Besonderheit des Münchener Eingewöhnungsmodells ist die eben schon genannte Flexibilität. Das Münchener Eingewöhnungsmodell läuft nach keinem festen Plan ab an dem sich alle halten müssen. Das Münchener Eingewöhnungsmodell beschreibt viel mehr einige theoretische Grundlagen und bedient sich pädagogischer Grundhaltungen, welche die Voraussetzungen der Eingewöhnung verbessern sollen. Das Münchener Eingewöhnungsmodell charakterisiert sich vor allem durch die Grundhaltung der pädagogischen Fachkraft dem Kind gegenüber.

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Im Münchener Eingewöhnungsmodell wird die Überzeugung verfolgt, dass das Kind nicht hilflos ist. Es gewöhnt sich selbst ein, dabei müssen gewisse Voraussetzungen und Bedingungen geschaffen werden. Dass das Kind sich selbst eingewöhnt bedeutet aber nicht, dass es sich selbst überlassen wird, von großer Bedeutung sind zum einen die primären Bezugspersonen des Kindes (meist ein Elternteil) und die Kinder, welche schon länger in der Einrichtung sind. 

Man spricht also nicht davon, dass das Kind eingewöhnt wird, sondern dass sich das Kind eingewöhnt. Es gewöhnt sich sozusagen an die neue Umgebung und verinnerlicht, dass die Einrichtung kein gefährlicher Ort ist, ganz im Gegenteil sogar viele Vorteile bietet.

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Die 3 Bedürfnisebenen bei der Eingewöhnung

Damit die Eingewöhnung mit einem Gefühl der Selbstbestimmung gelingen kann, wurden allgemein drei Bedürfnisebenen definiert. Macht das Kind Erfahrungen auf diesen drei Bedürfnisebenen, dann ist die Chance einer positiven Eingewöhnung hoch. Die erste Ebene ist die des Kompetenzerlebens, die zweite Ebene ist die Ebene der Autonomie und Mitbestimmung und die dritte Ebene ist das Gemeinschaftsgefühl. Die Stressforschung nennt ebenfalls drei Ebenen welche den Stress bei der Eingewöhnung mindern; die Vorhersehbarkeit, die Verlässlichkeit und die Kontrollierbarkeit.

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Die optimale Gedankenwelt des Kindes

Damit sich das Kind eingewöhnt und wirklich wohl fühlt sollte die Einrichtung und die pädagogischen Fachkräfte anknüpfend an die eben genannten Inhalte Bedingungen und Voraussetzungen schaffen die bei dem Kind in etwa die folgende Bedürfnis- und Gedankenwelt auslöst:

„Ich kann die Situation in der ich mich befinde abschätzen und vorhersehen, meine Meinung und Bedürfnisse werden ernst genommen, ich darf sogar mitbestimmen. Hier sind viele andere Kinder denen es ähnlich geht wie mir, wir sind eine Gemeinschafft, wenn ich Hilfe brauche wird mir geholfen, wenn jemand Hilfe braucht, versuche ich zu helfen. Dieser Ort bietet mir Herausforderungen zum Lernen, die mich nicht überfordern, aber auch nicht unterfordern, ich kann hier wachsen. Wenn ich etwas nicht möchte, dann darf ich auch nein sagen, das ist vollkommen in Ordnung, meine Entscheidungen und Bedürfnisse werden respektiert. Wenn es Entscheidungen gibt, die mich betreffen, dann werde ich informiert und mit einbezogen.“

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Die 3 Phasen des Münchener Modells zur Eingewöhnung

Um eine gelungene Eingewöhnung zu ermöglichen, gibt es im Münchener Eingewöhnungsmodell drei Hauptphasen, diese Haupthasen beginnen nach der Vorbereitung, bei welcher der erste Kontakt zwischen Einrichtung, Eltern und Kind stattgefunden hat, da werden alle wichtigen Informationen zum Ablauf besprochen. Die drei Hauptphasen wollen wir uns jetzt genauer anschauen:

1. Phase des Kennenlernens

Die Bezugsperson (also in der Regel ein Elternteil) begleitet das Kind in die Gruppe, beide erkunden und erleben die neue Umgebung, individuell, je nach Bedürfnis des Kindes auch für mehrere Stunden. Einige Kinder haben nach einer halben Stunde genug Eindrücke gesammelt, andere Kinder möchten auch schon am ersten Tag viele Stunden die neue Umgebung mit ihrer Bezugsperson entdecken. Die pädagogische Fachkraft hält sich im Hintergrund auf. Das Kind entdeckt so zusammen mit der Bezugsperson die Einrichtung mit dem alltäglichen Ablauf.

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Zu dem alltäglichen Ablauf gehören auch die anderen Kinder, diese können das Kind zu Aktivitäten einladen. Wichtig hierbei ist zu beachten; die Eingewöhnung stellt nicht nur für das neue Kind eine Transition, also einen Übergangsprozess dar, sondern auch für die Eltern des Kindes. Manchmal fällt den Eltern die Eingewöhnung fiel schwerer als dem Kind selbst. Die Eltern spielen dabei aber eine wichtige Rolle im Eingewöhnungsprozess, das sollten pädagogische Fachkräfte berücksichtigen. Wenn das Kind merkt, dass sich die eigenen Eltern und die pädagogischen Fachkräfte mögen und respektieren, dann wirkt sich dies positiv auf den Eingewöhnungsprozess aus.

2. Die Phase der Sicherheit

In dieser Phase lernt das Kind vor allem, dass es in der neuen Einrichtung sicher ist. In dieser Phase fängt die pädagogische Fachkraft auch langsam an auf das Kind zuzugehen. Dabei können erste pflegerische Handlungen übernommen werden. Zuerst zusammen mit den Eltern, anschließend kann die pädagogische Fachkraft beispielsweise das Füttern, Wickeln und weitere Tätigkeiten übernehmen

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In der Sicherheitsphase soll sich für das Kind Vorhersehbarkeit und eine Routine entwickeln. Die Bezugsperson tritt langsam immer weiter in den Hintergrund, in dem Maße, dass das Kind dies nicht als Vertrauensbruch wahrnimmt.

3. Die Phase des Vertrauens

Durch die beiden vorherigen Phasen fasst das Kind Vertrauen. Das Kind kennt die Abläufe und weiß, was passiert. In dieser Phase kommt es zu ersten Abschieden der Bezugspersonen, das bedeutet, dass das Elternteil die Einrichtung für eine bestimmte Zeit verlässt. Wie lange die Zeit ist, ist individuell vom Kind abhängig, meist wird in etwa eine Stunde angepeilt. Wichtig dabei ist, dass der Abschied dem Kind erklärt wird, das Elternteil also nicht einfach so verschwindet. Die Entscheidung wann dieser Zeitpunkt gekommen ist, bestimmt das Elternteil, das Kind entscheidet dabei aber mit.

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Es ist wichtig, dass die ersten Trennungsversuche nicht als Vertrauensbruch seitens des Kindes wahrgenommen werden. Das Kind darf dabei natürlich auch emotional stark reagieren, ein Abschied wird immer schwer fallen.

Woran erkennt man, dass die Eingewöhnung gut verlaufen ist?

Sind die drei Hauptphasen durchlaufen, kommt es zur Auswertungsphase. Da wird die bisherige Eingewöhnung besprochen. Die Eingewöhnung ist gut verlaufen, wenn der Übergangsprozess, also die Transition bewältigt wurde. Das ist daran zu erkennen, dass Eltern und Kind die Einrichtung als ergänzenden und entwicklungsfördernden Ort sehen, der Gang in die Einrichtung neutral bis positiv verläuft und das Kind ohne die Bezugsperson aktiv am alltäglichen Leben der Einrichtung teilnimmt.

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