Die 5 Lerndispositionen nach Margaret Carr

  • Was sind überhaupt Lerndispositionen?

  • Welche Bedeutung haben die Lerndispositionen?

  • Was sind die 5 Lerndispositionen nach Carr?

  • Wofür sind die Lerndispositionen gut?

  • Was ist das Eisbergmodell nach Margaret Carr?

  • Wofür können die 5 Lerndispositionen verwendet werden?

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Was sind die 5 Lerndispositionen?
Wofür werden die 5 Lerndispositionen gebraucht?

Die von Margaret Carr formulierten 5 Lerndispositionen bieten beim Verfassen von Bildungs- und Lerngeschichten einen grundlegenden Pfeiler. Unter den 5 Lerndispositionen versteht man ein Repertoire an Handlungsstrategien die vor allem jungen Kindern von Geburt an dabei helfen, sich Wissen und Fertigkeiten beim Erkunden ihrer Umwelt anzueignen. Margaret Carr bezeichnet die Lerndispositionen auch als ein Repertoire an Lernstrategien und Lernmotivation mit dessen Hilfe das Kind die Gelegenheiten zum Lernen wahrnimmt, sie erkennt, auswählt und durchführt.

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Die 5 Lerndispositionen können generell, also auch unabhängig von der Formulierung von Bildungs- und Lerngeschichten, als grundlegende Voraussetzung für Bildungs- und Lernprozesse betrachtet werden. Ganz besonders bei Beobachtungen im pädagogischen Kontext zur Formulierung von Bildungs- und Lerngeschichten kann das Verhalten des Kindes nach den 5 Lerndispositionen betrachtet und analysiert werden. Die Lerndispositionen lassen sich in vielen Handlungen und Tätigkeiten von Kindern erkennen, wobei aber nicht immer zwingend alle zum Ausdruck kommen müssen, auch ist es nicht immer möglich alle Lerndispositionen voneinander klar zu trennen. Das liegt unter anderem daran, dass ein gezeigtes Verhalten eines Kindes gleichzeitig mehreren Lerndispositionen zugeordnet werden kann. Eine geübte pädagogische Fachkraft schafft es, dem Kind eine optimale Ausprägung seiner Lerndispositionen zur ermöglichen und somit die kindliche Entwicklung positiv zu fördern. Bevor wir weiter von den Vorteilen und dem Nutzen der 5 Lerndispositionen sprechen und zum Eisbergmodell nach Margaret Carr kommen, schauen wir uns die 5 Lerndispositionen aber erst einmal genauer im Detail an

Die 5 Lerndispositionen eine Übersicht

Im Folgenden werde ich die 5 Lerndispositionen nennen und zu jeder Lerndisposition ein paar Beispiele nennen woran die jeweilige Lerndisposition beim Kind erkannt werden kann. Wichtig dabei zu wissen ist, dass wie eingangs schon gesagt, das Verhalten und die Handlung von Kindern nicht immer einwandfrei einer einzigen Lerndisposition zuzuordnen ist. Daher sind die Ausführungen der einzelnen Lerndispositionen lediglich Orientierungshilfen.

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Die Lerndisposition - Interessiert sein

Diese Lerndisposition lässt sich beispielsweise daran erkennen, dass das Kind seinen Blick auf Dinge oder Personen richtet und sich diesen vielleicht sogar nähert. Beobachtet das Kind auf dem Spielplatz beispielsweise ein spannendes Spiel von anderen Kindern, dann wird es zuerst schauen und eventuell auf diese Kinder zugehen. Möglicherweise aber auch einfach nur mit großen Augen beobachten, aufmerksam zuhören oder seine Erzieherin fragen, was die Kinder dort machen. Dieses Verhalten fällt unter die Lerndisposition "interessiert sein.

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Die Lerndisposition - Engagiert sein

Diese Lerndisposition lässt sich daran erkennen, dass sich das Kind aufmerksam mit Dingen auseinandersetzt. Wenn das Kind aus dem Beispiel der ersten Lerndisposition nicht auf die anderen Kinder zugegangen ist, dann könnte es aber möglicherweise das spannende Spiel nachahmen und dabei ganz vertieft in dem Spiel sein. Es ist möglich, dass Kinder so vertieft und engagiert in der Aktivität sind, dass sie äußere Reize ausblenden und sich nicht mehr ablenken lassen. Bei Kindern die gerade trocken sind ist es nicht selten, dass sie vergessen auf Toilette zu gehen, sie haben dann den Toilettengang nicht verlernt, sondern waren einfach so vertieft und engagiert im Spiel. Auch typisch für diese Lerndisposition ist es, dass das Kind die Zeit vergisst, die Handlung oder das Spiel immer weitere kreativ ergänzt und total aufgeregt von der Aktivität spricht. Gefühlt kann es gar nicht aufhören der Aktivität nachzugehen, man spricht auf von einem Flowerlebnis. Das ist so ähnlich wie das Schauen von Erzieherkanalvideos 😁

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Die Lerndisposition - Standhalten bei Herausforderungen und Schwierigkeiten

Diese Lerndisposition macht sich bemerkbar, wenn es zu Herausforderungen beim Kind kommt. Das Kind hält auch Schwierigkeiten, Probleme und Hürden aus, es gibt nicht auf und versucht es immer wieder. Das Kind probiert möglicherweise neue Lösungsstrategien und Wege aus. Aufgeben ist keine Option. Das bedeutet nicht, dass das Kind auch mal total frustriert und genervt ist, vielleicht auch mal eine Pause für einen neuen Anlauf benötigt, aber es bleibt hartnäckig und probiert es immer weiter. Wenn es gar nicht funktioniert, dann fordert es Hilfe ein, aber auch nur soviel wie gerade notwendig. Ein gutes Beispiel für diese Lerndisposition ist das Laufen lernen. Jedes Kind scheitert daran immer und immer wieder, es fällt hin, tut sich teilweise weh und es funktioniert eine lange Zeit nicht so, wie es sich das wünscht, aber kein Kind gibt beim Laufen lernen auf, jedes Kind, das körperlich dazu in der Lage ist, lernt früher oder später das Laufen.

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Die Lerndisposition - Sich ausdrücken und mitteilen

Diese Lerndisposition äußert sich vor allem dadurch, dass das Kind versucht, sich auf verschiedenste Arten auszudrücken. Dabei geht es nicht nur um das gesprochene Wort, sondern auch um gesungene Lieder, um das zeigen von Gefühlen, beispielsweise durch weinen oder lachen, aber auch durch Kreativität, in dem etwas geschaffen wird. Auch das Schlüpfen in andere Rollen und die generelle Interaktionsbereitschaft mit anderen gehört zu dieser Lerndisposition dazu.

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Die Lerndisposition - An der Lerngemeinschaft mitwirken und Verantwortung übernehmen

Bei dieser Lerndisposition ist die Sozialkompetenz und vor allem die Empathie gefragt. Diese Disposition äußert sich unter anderem dadurch, dass das Kind ein Interesse an anderen Personen zeigt. Dabei kann es beispielsweise dem Anderen aufmerksam zuhören, die Interessen der Anderen wahrnehmen und diese berücksichtigen. Auch ist es möglich, dass das Spiel oder die Handlung so modifiziert wird, dass andere Kinder hinzukommen können, es werden Möglichkeiten für gemeinsame Aktivitäten geschaffen.

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Das Eisberg-Modell nach Margaret Carr

Margaret Carr hat die Metapher des Eisbergs geschaffen um die 5 Lerndispositionen und die Aktivierung dieser zu verdeutlichen. An der Spitze der Eisberge stehen die eben genannten 5 Lerndispositionen, welche, wie wir ja eben schon gelernt haben, die Voraussetzung für Bildungs- und Lernprozesse sind.

Unter der Wasseroberfläche finden sich aber weitere Begriffe, welche bisher noch nicht aufgetaucht sind. Die Zugehörigkeit, das Wohlbefinden, die Exploration, die Kommunikation und die Partizipation. Diese Begriffe stellen grundlegende Bedürfnisse des Kindes dar, welche erst erfüllt sein müssen, damit die Lerndispositionen des Kindes aktiviert werden. Das bedeutet, dass ein Kind, welches sich beispielsweise nicht zugehörig zu einer Kindergartengruppe fühlt die Lerndisposition des interessiert seins nicht aktivieren kann. Wird ein Kind ausgeschlossen, dann wird es nicht ernsthaft interessiert agieren. Diese Bedürfnisse lassen sich auf die Lerndispositionen beziehen, ein Kind muss sich wohl fühlen um engagiert zu sein, es muss Zeit und Raum zum explorieren haben um standhalten zu können und um sich ausdrücken zu können, benötigt es Kommunikationspartner. Um Verantwortung und Mitgestaltung innerhalb einer Gemeinschaft zu leisten, ist Partizipation notwendig. Die grundlegenden Bedürfnisse haben also einen unmittelbaren Einfluss auf die an der Wasseroberfläche liegenden Lerndispositionen, welche die Grundlage für das Lernen und die Bildung sind.

Nur so schaffen Kinder es, aus sich selbst heraus zu lernen, nicht wenn sie nur für ihr Verhalten belohnt oder bestraft werden. Dadurch entsteht eine extrinsische Motivation, welche im Lernprozess keine nachhaltige Wirkung hat. Das Interesse verfällt, wenn die Belohnung oder Bestrafung wegfällt. Erst durch das wecken der intrinsischen Motivation, also einer tiefen Form von Begeisterung und Motivation ist eine optimale kindliche Entwicklung möglich.

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